CEWE OnTour 03/2017 | Page 9

Der Herr der Bilder Kersten Weichbrodt hat eine Mission: Der Medienprofi von MAGmove will Tausende von Fotografien retten, die in veralteten Bildarchiven von Unternehmen zu verschwinden drohen. Text: Margit Hofgärtner, Fotos: Olaf Tamm W ie viele Fotos gibt es auf der Welt? Es Hamburg-Eppendorf nördlich der Außenalster. Die ist ein Ding der Unmöglichkeit, diese Häuser mit den prachtvollen Fassaden wurden Anfang Frage auch nur annähernd genau zu des letzten Jahrhunderts erbaut, die Geschäfte und beantworten. Einen Anhaltspunkt liefert Restaurants im untersten Stockwerk sind gut besucht. Instagram: Hier wurden bereits mehr als 40 Milliarden „Hier ist die Breitband-Infrastruktur gut, wir benötigen Bilder hochgeladen. Zu dieser schier unvorstellbaren große Leitungen für die Bilddateien,“ erklärt Weichbrodt Zahl kommen noch deutlich mehr nicht geteilte nebenbei. Dafür nimmt er in Kauf, jeden Morgen Smartphone-Fotos, Profi-Shootings, unzählige mit dem Motorroller durch den dichten Hamburger Hobbyaufnahmen, Negativfilme und Medien aus Stadtverkehr von Blankenese in die Arbeit zu fahren. den Anfängen der Fotografie wie Die Kunden von MAGmove etwa Glasplatten. Und nur ein kommen aus Marketing- und Bruchteil dieser visuellen Schätze Kommunikationsabteilungen ist katalogisiert, also jederzeit gezielt mittelständischer Unternehmen oder abrufbar. Spätestens wenn der öffentlicher Betriebe. „Bei Archiven Schöpfer nicht mehr lebt, geraten die ab 8.000 Bildern wird es für uns allermeisten Fotos in Vergessenheit – interessant“, meint Weichbrodt. Kersten Weichbrodt darunter Schnappschüsse, aber auch Der größte Kunde, ein in Hamburg Kunstwerke und Zeitdokumente. ansässiges Verlagsunternehmen, Die digitale Amnesie ist für Hobbyfotografen und archiviert gar 300.000 Bilder. Namen will man nicht deren Angehörige höchst ärgerlich, für Unternehmen nennen. „Verschwiegenheit gehört zum Geschäft“, er- stellt sie ein ernstes Problem dar: Irgendwann wurde klärt der Wahlhamburger, der seit zehn Jahren in dieser für Produkt- und Imagebilder sowie Dokumentationen Stadt lebt. „Die meisten Kunden möchten nicht zugeben, viel Geld ausgegeben und nun besteht die Gefahr, dass dass sie bei diesen Arbeiten Unterstützung benötigen. in absehbarer Zeit niemand mehr weiß, auf welcher Vor allem, wenn es um Medienunternehmen geht.“ DVD, Festplatte oder Laufwerk diese Bilder zu finden In einer Ecke steht ein wichtiges Arbeitsuntensil, sind. Wer oder was ist darauf abgebildet und liegen die der Rollkoffer, mit dem Weichbrodt deutschlandweit Rechte zur Veröffentlichung beim Unternehmen? Hier unterwegs ist. Darin ein MacBook Pro mit einer Prä- kommt Kersten Weichbrodt ins Spiel: Der Fotograf sentation, die bestehende Ordnerhierarchien bildlich in und Gründer von MAGmove setzt sein Wissen ein, Rauch aufgehen lässt. „Dann bauen wir das Bildarchiv um Bilderschätze für die Zukunft zu erhalten. „Wir ganz neu auf“, meint der 53-Jährige. „Darauf müssen geben den Aufnahmen eine Identität“, nennt er es. sich die Kunden einlassen, sonst wird das nichts.“ Mit dieser Idee hat sich Weichbrodt selbstständig Zentrales Element des neuen, besseren Bildarchivs gemacht in einer ehemaligen Großbäckerei in sind Metadaten, über diese Verschlagwortung können » Bei der Bildarchivierung können viele nicht vom alten Schubladendenken lassen. « www.cewe-fotoservice.de 9