Der Herr
der Bilder
Kersten Weichbrodt hat eine Mission: Der Medienprofi von MAGmove
will Tausende von Fotografien retten, die in veralteten Bildarchiven von
Unternehmen zu verschwinden drohen.
Text: Margit Hofgärtner, Fotos: Olaf Tamm
W
ie viele Fotos gibt es auf der Welt? Es
Hamburg-Eppendorf nördlich der Außenalster. Die
ist ein Ding der Unmöglichkeit, diese
Häuser mit den prachtvollen Fassaden wurden Anfang
Frage auch nur annähernd genau zu
des letzten Jahrhunderts erbaut, die Geschäfte und
beantworten. Einen Anhaltspunkt liefert
Restaurants im untersten Stockwerk sind gut besucht.
Instagram: Hier wurden bereits mehr als 40 Milliarden
„Hier ist die Breitband-Infrastruktur gut, wir benötigen
Bilder hochgeladen. Zu dieser schier unvorstellbaren
große Leitungen für die Bilddateien,“ erklärt Weichbrodt
Zahl kommen noch deutlich mehr nicht geteilte
nebenbei. Dafür nimmt er in Kauf, jeden Morgen
Smartphone-Fotos, Profi-Shootings, unzählige
mit dem Motorroller durch den dichten Hamburger
Hobbyaufnahmen, Negativfilme und Medien aus
Stadtverkehr von Blankenese in die Arbeit zu fahren.
den Anfängen der Fotografie wie
Die Kunden von MAGmove
etwa Glasplatten. Und nur ein
kommen aus Marketing- und
Bruchteil dieser visuellen Schätze
Kommunikationsabteilungen
ist katalogisiert, also jederzeit gezielt
mittelständischer Unternehmen oder
abrufbar. Spätestens wenn der
öffentlicher Betriebe. „Bei Archiven
Schöpfer nicht mehr lebt, geraten die
ab 8.000 Bildern wird es für uns
allermeisten Fotos in Vergessenheit –
interessant“, meint Weichbrodt.
Kersten Weichbrodt
darunter Schnappschüsse, aber auch
Der größte Kunde, ein in Hamburg
Kunstwerke und Zeitdokumente.
ansässiges Verlagsunternehmen,
Die digitale Amnesie ist für Hobbyfotografen und
archiviert gar 300.000 Bilder. Namen will man nicht
deren Angehörige höchst ärgerlich, für Unternehmen
nennen. „Verschwiegenheit gehört zum Geschäft“, er-
stellt sie ein ernstes Problem dar: Irgendwann wurde
klärt der Wahlhamburger, der seit zehn Jahren in dieser
für Produkt- und Imagebilder sowie Dokumentationen
Stadt lebt. „Die meisten Kunden möchten nicht zugeben,
viel Geld ausgegeben und nun besteht die Gefahr, dass
dass sie bei diesen Arbeiten Unterstützung benötigen.
in absehbarer Zeit niemand mehr weiß, auf welcher
Vor allem, wenn es um Medienunternehmen geht.“
DVD, Festplatte oder Laufwerk diese Bilder zu finden
In einer Ecke steht ein wichtiges Arbeitsuntensil,
sind. Wer oder was ist darauf abgebildet und liegen die
der Rollkoffer, mit dem Weichbrodt deutschlandweit
Rechte zur Veröffentlichung beim Unternehmen? Hier
unterwegs ist. Darin ein MacBook Pro mit einer Prä-
kommt Kersten Weichbrodt ins Spiel: Der Fotograf
sentation, die bestehende Ordnerhierarchien bildlich in
und Gründer von MAGmove setzt sein Wissen ein,
Rauch aufgehen lässt. „Dann bauen wir das Bildarchiv
um Bilderschätze für die Zukunft zu erhalten. „Wir
ganz neu auf“, meint der 53-Jährige. „Darauf müssen
geben den Aufnahmen eine Identität“, nennt er es.
sich die Kunden einlassen, sonst wird das nichts.“
Mit dieser Idee hat sich Weichbrodt selbstständig
Zentrales Element des neuen, besseren Bildarchivs
gemacht in einer ehemaligen Großbäckerei in
sind Metadaten, über diese Verschlagwortung können
» Bei der Bildarchivierung
können viele nicht vom alten
Schubladendenken lassen. «
www.cewe-fotoservice.de
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