CEWE OnTour 01/2018 | Page 51

B ei manchen Vierteln in Tokio weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Bei Shibuya schon: an der Kreuzung. Ich kannte Shibuya Crossing schon, bevor ich aus den Fenstern des örtlichen Bahnhofs meinen ersten Blick auf die Kreuzung warf, mit ihrem Menschengewimmel am Boden und ihrem Lichterglanz darüber. Als ich schließlich an der Ampel stand, war es, als fiele endlich ein Groschen, als fassten die Zahnräder in meinem Kopf erstmals ineinander und begannen zu rattern. Hier bin ich also. Shibuya Crossing heißt das. Ob amerikanischer Kinofilm oder deutscher Fernsehbericht Das ist das – die Straßenkreuzung vor dem Bahnhof Shibuya wird moderne Japan: Seht immer dann gezeigt, wenn all die Menschen! man in Sekundenbruchteilen Seht all die Lichter! vermitteln möchte: Das ist Tokio! Mehr noch: das moder- ne Japan! Seht all die Menschen! Seht all die Lichter! Das Schöne daran: Es ist im wirklichen Leben ge- nauso beeindruckend wie auf dem Bildschirm. Vielleicht sogar ein bisschen beeindruckender. Die Kreuzung gilt als die geschäftigste der Welt. Perfekte Verkehrsplanung macht’s möglich: Schalten die Ampeln auf Grün, laufen alle Men- schen auf allen Straßenseiten zugleich in alle Richtungen. Manchmal sind es mehr als 2.000 auf einmal. Es braucht ein bisschen Übung, um selbst genau den Weg einzuschlagen, den man nehmen möchte, wenn die Masse um einen herum in eine andere Richtung strömt. Hat man die andere Straßenseite erreicht, hat man oft das Verlangen, sich das Treiben noch einmal von oben anzusehen. Dafür muss man einmal seinen Ärger darüber herunterschlucken, dass „Starbucks“ die ganze Welt mit seinen Ge- Chaos mit System: fünf Zebrastreifen, zehn Ampeln und tausende Passanten, die die Seiten wech- seln. Nur Touristen bleiben für ein Selfie auf den Straßen von Shibuya Crossing stehen. Shibuya-Fashion: Junge Mode in den Shops der Center-gai Shopping-Straße. 51