CEWE Fotozeit AT Sommer 2026 | Page 35

IM GESPRÄCH MIT HARALD GÖBL „ Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne doch so nah liegt?“

Du hast schon viele Orte auf der Welt gesehen. Was macht Sardinien für dich so besonders? Sardinien hat eine ganz eigene Magie, die sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist dieses Zusammenspiel aus Licht, Farben und Weite, das mich immer wieder fasziniert. Die Insel wirkt an vielen Stellen fast unberührt, ursprünglich und gleichzeitig unglaublich vielfältig. Für mich als Fotograf ist das ein Geschenk, weil ich hier ständig neue Perspektiven entdecke. Es sind nicht nur die bekannten Strände, sondern auch die kleinen, stillen Momente – ein einsamer Küstenabschnitt im Morgenlicht oder das warme Leuchten der Felsen am Abend.

Was bzw. welche Orte faszinieren dich persönlich an Sardinien? Ganz klar: die Strände mit ihrem glasklaren Wasser und diesen atemberaubenden Farben, die man sonst eher aus der Karibik kennt. Besonders beeindruckt hat mich der La Maddalena Archipel, allen voran die Insel Caprera, wo unberührte Natur auf kristallklares Wasser trifft und eine fast surreale Kulisse entsteht. Aber auch die Landschaft insgesamt macht Sardinien so besonders – sie ist wie geschaffen für einen Roadtrip, weil hinter jeder Kurve ein neues Motiv wartet. Ein weiteres Highlight ist für mich die Küstenstraße zwischen Alghero und Bosa mit ihren dramatischen Klippen und weiten Ausblicken aufs Meer. Und dann gibt es immer wieder Orte wie Bosa selbst, die mit ihren bunten Häusern und verwinkelten Gassen eine sehr authentische, ursprüngliche Seite der Insel zeigen. Du sprichst oft vom „ richtigen Moment“. Wie erlebst du diesen auf Sardinien? Der richtige Moment ist in der Fotografie alles, und auf Sardinien findet man ihn besonders häufig – wenn man sich Zeit nimmt. Das Licht verändert sich hier unglaublich schnell, vor allem an der Küste. Frühmorgens, wenn die Strände noch leer sind, entsteht eine Ruhe, die sich auch im Bild widerspiegelt. Oder am Abend, wenn die Sonne tief steht und das Wasser in verschiedenen Blauund Türkistönen schimmert. Diese Augenblicke dauern oft nur Minuten, aber genau das macht sie so wertvoll.
Wie gehst du an Fotospots heran? Planst du viel oder lässt du dich treiben? Eine Mischung aus beidem. Natürlich informiere ich mich im Vorfeld über Locations und Lichtverhältnisse, aber die besten Bilder entstehen oft spontan. Gerade auf einem Roadtrip, lasse ich mich gerne treiben. Man entdeckt plötzlich eine Bucht oder einen Aussichtspunkt, den man nicht geplant hatte – und genau dort entstehen dann oft die stärksten Aufnahmen.
Was treibt dich persönlich an, immer wieder neue Reisen zu unternehmen?
Neugier. Ich möchte die Welt verstehen, ihre Vielfalt erleben und diese Eindrücke teilen. Aber es geht nicht immer nur um ferne Ziele – Sardinien ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass das Besondere oft näher liegt, als man denkt. Man muss nur bereit sein, es zu sehen.
Welche Tipps würdest du Reisenden geben, die Sardinien fotografisch entdecken möchten?
Nehmt euch Zeit und steht früh auf. Die schönsten Momente erlebt man oft dann, wenn die meisten noch schlafen. Und versucht, nicht nur die bekannten Spots zu fotografieren, sondern auch die kleinen Details – Strukturen im Sand, Lichtreflexe im Wasser oder das Leben in den Orten. Sardinien bietet so viel mehr als Postkartenmotive.
� Harald Göbl ist leidenschaftlicher Reise- und Landschaftsfotograf, der seine Begeisterung für besondere Orte und Lichtstimmungen weltweit in eindrucksvollen Bildern festhält. Mit seiner langjährigen Erfahrung gibt er sein Wissen auf Fotoreisen weiter und zeigt, wie man Landschaften nicht nur sieht, sondern fotografisch erzählt.
� www. hgp-photography. com
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