Bücher über Interreligiöse Spiritualität, Meditation und Universaler Sufismus König Akbar und seine Tochter von Noor Inayat Khan | страница 23
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ie Maus und das Kamel
W
as für ein prächtiges Kamel wandelte da am Rande der
großen Wüste! Eine kleine Maus starrte es bewundernd an. Das
Zaumzeug des Kamels hing lose zum Boden herab, da sein Herr in die
Stadt gegangen war, um Proviant zu besorgen.
„Und warum eigentlich“, dachte die kleine Maus bei sich, „soll ich die
Zügel dieses Kamels nicht mal selbst in die Hand nehmen?“
Die kleine Maus näherte sich dem Kamel, und ihr Herzchen klopfte
dabei.
Mit ihren zwei Pfötchen ergriff sie das Zaumzeug, und, zu ihrer größten Verwunderung, setzte sich das große Kamel sogleich in Bewegung.
„Himmel!“, rief die kleine Maus, „wie stark und mächtig ich doch bin!
Nicht mal ein Elefant würde es wagen, sich meinem Befehl zu widersetzen!“
Doch das große Kamel lächelte in sich hinein, als es daran dachte, was
für eine schöne Überraschung dem Mäuslein noch bevorstehen würde.
In der Nähe befand sich nämlich ein tiefer Fluss mit auf-und abtanzenden Wassern. Das große Kamel konnte ihn klar und deutlich erblicken,
doch die Maus war ja so klein, sie sah nur die Grashalme, die ihr den
Weg versperrten.
Als sie das Ufer erreichten, hielt die kleine Maus plötzlich an.
„Ei, was soll das?“, rief das große Kamel, „ man unterbricht doch nicht
einfach seine Reise. Gibt es ein Problem, mein Gebieter?“
„Weißt du“, antwortete die kleine Maus, „dieser Fluss ist doch ziemlich
tief.“
„Also, sehr tief ist der Fluss nun nicht“, antwortete das große Kamel
und stieg mit seinen Beinen hinein, „schau, das Wasser geht mir nicht
mal bis zu den Knien!“
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