Bücher über Interreligiöse Spiritualität, Meditation und Universaler Sufismus Die Seele der Blumen - Heilende Pflanzen-Essenzen | Page 21

Ölbaum reguliert … Das Leben wird schwierig ohne Achtung und Rücksichtnahme für die primitive Natur. Wenn man sich darüber ärgert, nimmt man daran Teil; wenn man dagegen rebelliert, gibt man dem Feuer Nahrung. Man sollte die primitive Natur in sich selber und in den anderen besänftigen durch Weisheit, Geduld und Freundlichkeit.
Das gleiche kann man bei indischen Hochzeiten beobachten, wo Kopf, Schultern, Arme und Hände, Knie und Füße von Braut und Bräutigam geölt werden. Murshid erklärt, dass es hier geht um „ eine psychologische Suggestion … damit die Hände und Füße von beiden vorbereitet sind um dem Partner zu dienen; dass sie sich gegenseitig nicht zugeknöpft zeigen und wenn es noch Härte in ihrer Natur geben sollte, diese aufgeweicht wird, da Harmonie den Segen eines Hauses ausmacht. Es lehrt uns, dass, um Freunde zu werden und Freundschaft zu pflegen, Verzeihung erforderlich ist. Es ist nun mal so, dass unser Partner nicht so flexibel und fügsam ist, als wie wir es uns vorgestellt hatten.“
Aus dem von ihm geliebten Russland, wo er einige Jahre gelebt hat, erzählt Murshid das Beispiel der Ölung des Tsar am Tag seiner Krönung: „ Die Salbung der Stirn des Königs bedeutet, dass er einen entspannten Ausdruck haben sollte, nicht stirnrunzelnd und mit verzogenem Gesicht, sondern mit einer lächelnden Stirn, wie der persische Ausdruck lautet. Arm und Reich, alle müssen mit ihren Sorgen und Schwierigkeiten zum König kommen und sein Blick muss sie trösten und beruhigen. Die große Lehre, welche man aus diesem Brauch ziehen kann ist, dass die große Erziehung im Leben darin besteht, unsere Gefühle, unsere Gedanken, Worte und Handlungen weich zu machen, so dass sie uns selbst Entspannung schenken und damit wir eine entspannte Atmosphäre kreieren, die allen die mit uns in Kontakt kommen zu Gute kommt.“
Um besser verstehen zu können, was eine Salbung eigentlich bedeutet, ist es aufschlussreich im Pflanzenreich der Rolle des Öls nach zu spüren.
Am Anfang eines Pflanzenlebens steht das Wasser. Zum Keimen, oder um aus dem Unsichtbaren heraus auf Erden sichtbar zu werden, verbindet die Pflanze sich mit Wasser und Erde. Erst gegen Ende ihres Lebens fängt die Pflanze an, sich mit Öl zu beschäftigen. In allen Samen findet man Öl. Meistens nur im Keim( z. B. Weizenkeimöl). Manche Pflanzen tragen Öl im ganzen Samen. Die Mandel ist ein Beispiel. Und dann gibt es Pflanzen, die so sehr Öl-orientiert sind, dass sie darüber hinaus das Fruchtfleisch ölig gestalten. So die Olive.
So wie Wasser die Inkarnation möglich macht, macht Öl die Rückkehr zur Seelenwelt möglich. Das Feuerelement ist nun vorherrschend. Die Pflanze verbindet sich mit der Wärme. Es braucht die Wärme zur Fruchtbildung und es verkörpert die Wärme im Öl. Die Olive ist eine ausgesprochene Wärme-Pflanze. In der zweiten Jahreshälfte kümmert sie sich nicht mehr um Wachstum von Ästen und Blätter, sondern konzentriert sich voll und ganze auf ihre Früchte und Samen. In der Frucht wird das nächste Leben vorbereitet und umhüllt. Im Samen liegt das Wesentliche, die Quintessenz, verborgen.
Murshid nennt uns Menschen oft den Samen von Gott: „ Die ganze Manifestation ist einfach wie ein Baum, welche von der göttlichen Wurzel stammend aus dem Boden schießt. Die Natur ist wie sein Stamm und alle Aspekte der Natur sind wie die Äste, die Blätter, die Früchte und die Blumen; und von diesem
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