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Zahlungsverzug sinkt: Entlastung bleibt aus
Anfang Februar wurde der „ Creditreform Zahlungsindikator Deutschland – Winter 2025 / 26“ vorgestellt. Die zentrale Botschaft klingt zunächst positiv: Die Verzugsdauer im B2B-Geschäft ist weiter gesunken. Lag die durchschnittliche Überfälligkeit 2022 noch bei nahezu elf Tagen, beträgt sie im zweiten Halbjahr 2025 nur noch 7,5 Tage. Grundlage der Analyse sind rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland( DRD).
Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Eine echte Entlastung für Lieferanten ist damit nicht verbunden. Parallel zur verkürzten Überfälligkeit wurden die Zahlungsziele spürbar ausgeweitet. Im zweiten Halbjahr 2025 gewährten Lieferanten im Durchschnitt 32,13 Tage Zahlungsfrist – ein Niveau, das seit mehr als sieben Jahren nicht mehr erreicht wurde. Streng genommen handelt es sich um zwei Seiten derselben Medaille. Einerseits reagieren Unternehmen mit einem strafferen Forderungsmanagement auf steigende Insolvenzen und eine angespannte Konjunktur. Andererseits sehen sie sich gezwungen, angeschlagenen Geschäftspartnern längere Zahlungsziele einzuräumen. Das Ergebnis: Die gesamte Forderungslaufzeit – also Zahlungsziel plus Überfälligkeit – verharrt mit durchschnittlich 39,63 Tagen nahezu unverändert. Waren und Dienstleistungen müssen damit weiterhin rund 40 Tage vorfinanziert werden. Auffällig ist zudem die ungleiche Verteilung der Zugeständnisse. Während große Unternehmen ihre Zahlungsziele nochmals ausweiten konnten – von 32,63 auf 35,51 Tage –, profitierten kleine und mittlere Betriebe deutlich seltener. Teilweise wurden ihre Fristen sogar verkürzt. Das verschärft die Liquiditätsbelastung gerade dort, wo finanzielle Puffer ohnehin begrenzt sind. Ein weiterer Indikator unterstreicht die Zurückhaltung im Markt: Der durchschnittliche Wert verspätet bezahlter Rechnungen sank im zweiten Halbjahr 2025 auf 1.838 Euro – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. 2022 lag dieser noch bei fast 2.200 Euro. Besonders in Industrie, Metallund Elektrobranche sowie im Großhandel gehen größere Transaktionen spürbar zurück. Selbst bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten schrumpften die durchschnittlichen Rechnungswerte deutlich. Für das Credit Management ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild: Das operative Forderungsmanagement funktioniert effizienter, doch die strukturelle Risikolage bleibt angespannt. Die Zahl überfälliger Belege je Schuldner ist zwar leicht rückläufig, gleichzeitig steigen jedoch die Insolvenzen – insbesondere bei größeren Unternehmen. Die Konsequenz ist klar: Klumpenrisiken gewinnen weiter an Bedeutung. Wer in einem Umfeld verlängerter Zahlungsziele und sinkender Transaktionsvolumina stabile Liquidität sichern will, muss Bonitätsentwicklung, Branchenexposure und Kundenkonzentration noch konsequenter überwachen. Die verkürzte Verzugsdauer ist kein Entwarnungssignal – sondern Teil eines fragilen Gleichgewichts.
Patrick-Ludwig Hantzsch, Creditreform
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