Antoine de Saint Exupery-Der kleine prinz Antoine de Saint Exupery - Der kleine Prinz | Page 82
»Gewiß. Du wirst sehen, wo meine Spur im Sand beginnt. Du
brauchst mich nur dort zu erwarten. Ich werde heute nacht dort sein.«
Ich war zwanzig Meter von der Mauer entfernt und sah noch immer
nichts. Der kleine Prinz sagte noch, nach einem kurzen Schweigen:
»Du hast gutes Gi? Bist Du sicher, daß du mich nicht lange
leiden läßt?«
Ich blieb stehen, und das Herz preßte sich mir zusammen, aber
ich verstand noch immer nicht.
»Jetzt geh weg«, sagte er, »ich will hinunterspringen!«
Da richtete ich selbst den Blick auf den Fuß der Mauer, und ich
machte einen Satz! Da war, zum kleinen Prinzen emporgereckt, eine
dieser gelben Schlangen, die euch in dreißig Sekunden erledigen.
Ich wühlte in meiner Tasche nach meinem Revolver und begann zu
laufen, aber bei dem Lärm, den ich machte, ließ sich die Schlange
sachte in den Sand gleiten, wie ein Wasserstrahl, der stirbt, und ohne
allzu große Eile schlüpe sie mit einem leichten metallenen Klirren
zwischen die Steine.
Gerade rechtzeitig kam ich zur Mauer, um mein kleines Kerlchen
von einem Prinzen in meinen Armen aufzufangen; er war bleich wie
der Schnee.
»Was sind das für Geschichten! Du sprichst jetzt mit Schlangen?!«
Ich hatte ihm sein ewiges gelbes Halstuch abgenommen. Ich hatte
ihm die Schläfen genetzt und ihm zu trinken gegeben. Und jetzt
wage ich nicht, ihn weiter zu fragen. Er schaute mich ernstha an
und legte seine Arme um meinen Hals. Ich fühlte sein Herz klopfen
wie das eines sterbenden Vogels, den man mit der Flinte geschossen
hat. Er sagte zu mir:
»Ich bin froh, daß du gefunden hast, was an deiner Maschine fehlte.
Du wirst nach Hause zurückkehren können …«