Antoine de Saint Exupery-Der kleine prinz Antoine de Saint Exupery - Der kleine Prinz | Page 67
»Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen
mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen
einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich
zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang
deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet.
Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird
mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst
da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der
Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und
das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird
wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der
Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das
Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen.«
Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an:
»Bitte … zähme mich!« sagte er.
»Ich möchte wohl«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe
nicht viel Zeit. Ich muß Freunde finden und viele Dinge kennen-
lernen.«
»Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs.
»Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzu-
lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäen. Aber da es
keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde
mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!«
»Was muß ich da tun?« sagte der kleine Prinz.
»Du mußt sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du setzt
dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so ver-
stohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts
sagen. Die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse. Aber jeden
Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können …«
Am nächsten Morgen kam der kleine Prinz zurück.