Antoine de Saint Exupery-Der kleine prinz Antoine de Saint Exupery - Der kleine Prinz | Page 57
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Will man geistreich sein, dann kommt es vor, daß man ein bißchen
aufschneidet. Ich war nicht ganz aufrichtig, als ich euch von den
Laternenanzündern erzählte. Ich laufe Gefahr, denen, die unseren
Planeten nicht kennen, ein falsches Bild von ihm zu geben. Die Men-
schen benutzen nur sehr wenig Raum auf der Erde. Wenn die zwei
Milliarden Einwohner, die die Erde bevölkern, sich aufrecht und ein
bißchen gedrängt hinstellten, wie bei einer Volksversammlung etwa,
kämen sie auf einem öffentlichen Platz von zwanzig Meilen Länge
und zwanzig Meilen Breite leicht unter. Man könnte die Menschheit
auf der geringsten kleinen Insel des Pazifischen Ozeans zusammen-
pferchen.
Die großen Leute werden Euch das freilich nicht glauben. Sie bilden
sich ein, viel Platz zu brauchen. Sie nehmen sich wichtig wie Affen-
brotbäume. Gebt ihnen also den Rat, sich]s auszurechnen. Sie beten
die Zahlen an, das wird ihnen gefallen. Aber ihr sollt Eure Zeit nicht
damit verlieren. Es ist zwecklos. Ihr habt Vertrauen zu mir.
Einmal auf der Erde, wunderte sich der kleine Prinz, niemanden
zu sehen. Er fürchtete schon, sich im Planeten geirrt zu haben, als
ein mondfarbener Ring sich im Sande bewegte.
»Gute Nacht«, sagte der kleine Prinz aufs Geratewohl.
»Gute Nacht«, sagte die Schlange.
»Auf welchen Planeten bin ich gefallen?« fragte der kleine Prinz.
»Auf die Erde, du bist in Afrika«, antwortete die Schlange.
»Ah! … es ist also niemand auf der Erde?«
»Hier ist die Wüste. In den Wüsten ist niemand. Die Erde ist
groß« sagte die Schlange.
Der kleine Prinz setzte sich auf einen Stein und hob die Augen
zum Himmel: