aktiv - Das Regionalmagazin Dez. // Nr. 201 - Page 26

TIPPS & TRENDS Steuern , Recht & Rat

Beim Unfall im Homeoffice kann es knifflig werden

Gerichte entscheiden häufig zugunsten der gesetzlichen Unfallversicherung
( djd ). Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten im Homeoffice . Über die Vor- und Nachteile wird ausgiebig diskutiert . Es können dabei aber auch knifflige rechtliche Fragen entstehen . Wann springt bei einem Unfall die gesetzliche Unfallversicherung ein und wann ist er dem privaten Bereich zuzuordnen ? Grundsätzlich gilt der gesetzliche Unfallversicherungsschutz auch im Homeoffice . Daher werden beispielsweise Unfälle berücksichtigt , die sich beim Instandsetzen oder Aufstellen von Arbeitsgeräten im Arbeitszimmer zu Hause ereignen – wie beim Auffüllen von Druckerpapier oder Anschließen eines Arbeits-PCs . Nicht immer aber liegen die Dinge so eindeutig , oft genug entscheiden Gerichte in Streitfällen zugunsten der Berufsgenossenschaften und gegen die Beschäftigten . Auf
Ein Vater arbeitet im Homeoffice und bringt sein Kind morgens zur Schule . Genießt er auf dem Weg dorthin gesetzlichen Unfallschutz ?
der sicheren Seite ist man häufig dann , wenn man über eine private
Unfallversicherung verfügt . Unter www . nuernberger . de gibt es dazu weitere Infos . Bei schweren Unfällen mit nachfolgender Invalidität etwa bietet sie Schutz durch eine lebenslange Unfallrente .
Zieglgänsberger Graf Sondermaier
Rechtsanwälte in Bürogemeinschaft
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Hier zwei Beispiele aus der Rechtsprechungspraxis
Wir beraten und vertreten Sie auf folgenden Rechtsgebieten :
RAin Karin Zieglgänsberger Erb- und Familienrecht
RA Michael Graf , Fachanwalt für
1 . Unfall auf dem Weg zum Kindergarten
Versicherungsrecht Versicherungs- und Verkehrsrecht
RAin Annette Sondermaier Immobilien- und Vertragsrecht djd / Nürnberger Versicherung / Getty Images / Evgeny Atamanenko
Eine Beschäftigte war für ihren Arbeitgeber von ihrem häuslichen
Arbeitszimmer
aus tätig . Vor Dienstbeginn brachte die Frau regelmäßig ihr Kind in den Kindergarten . An einem Wintertag rutschte die Frau mit dem Fahrrad auf Blitzeis weg und brach sich den Ellbogen . Die zuständige gesetzliche Unfallkasse wollte in diesem Fall keinen versicherten Wegeunfall sehen . Die Mutter sei vielmehr im Rahmen einer sogenannten eigenwirtschaftlichen Tätigkeit zu Schaden gekommen . Dieser Auffassung schloss sich das Sozialgericht Hannover ( Az .: L 16 U 26 / 16 ) an . Im Rahmen einer privaten Unfallversicherung hätte Versicherungsschutz bestanden .
2 . Folgenreicher Treppensturz Eine Frau arbeitete auf einem im Dachgeschoss ihrer Wohnung eingerichteten Telearbeitsplatz . Auf dem Weg zur Küche im Erdgeschoss brach sie sich bei einem Treppensturz ein Bein . Die Unfallkasse erkannte den Unfall nicht als Arbeitsunfall an , das Ganze landete vor Gericht . Das Sozialgericht Mainz lehnte die Klage der Frau in erster Instanz ab . Das Landessozialgericht ( LSG ) Rheinland-Pfalz entschied in zweiter Instanz zugunsten der Klägerin . Daraufhin landete der Fall beim Bundessozialgericht ( BSG ). Dieses schloss sich der ersten Instanz an und hob das Urteil des LSG auf ( Az .: B 2 U 5 / 15 R ). Begründung des BSG : Es liege kein Arbeitsunfall vor . Die Frau sei auf dem Weg in die Küche nicht auf einem Betriebsweg , sondern in ihrem persönlichen Lebensbereich ausgerutscht . Im Rahmen der privaten Unfallversicherung hätte die Frau Versicherungsschutz genossen .
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