+3 Magazin September 2021 - Page 5

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Lena-Sophie Müller , Geschäftsführerin Initiative D21
BREITBANDVERFÜGBARKEIT
Die deutsche Datenautobahn hat noch Ausbaubedarf
Simon Richter , Leser
Die Mischung macht ‘ s
Digitales Arbeiten verbindet
Bandbreite Städtisch Halbstädtisch Ländlich
≥ 16 Mbit / s
≥ 30 Mbit / s
≥ 50 Mbit / s
≥ 100 Mbit / s
≥ 200 Mbit / s
≥ 400 Mbit / s
≥ 1000 Mbit / s
99,4 %
98,5 %
98,1 %
95,9 %
91,4 %
86,3 %
76,7 %
97,7 %
94 %
92,6 %
83,2 %
68,9 %
55,8 %
42,1 %
92,8 %
84 %
80,9 %
65,7 %
40,3 %
24,3 %
20,2 %
2020 , für alle Technologien
Quellen : Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ( BMVI ) / atene KOM GmbH
Noch vor Kurzem waren Homeoffice und Co . oft eine Art Privileg für einige wenige und nur in besonders digitalen Berufen etabliert . Für viele Arbeitgeber war es undenkbar , die Mitarbeiter nicht vor Ort zu haben . Corona aber zeigte vielen : Arbeit aus der Ferne kann funktionieren , wenn auch naturgemäß vor allem mit Bürotätigkeit . Von 15 auf 32 Prozent stieg im vergangenen Jahr der Anteil derjenigen , die Homeoffice nutzten , und der Großteil davon möchte dies gerne auch zukünftig öfter tun – das ergab der D21-Digital-Index 2020 / 2021 . Wenn das Vertrauen beidseitig da ist , spricht doch nichts dagegen , wenn jemand aus der hessischen Heimat arbeitet , die Firma aber in Berlin sitzt . Das hieße auch , dass man sich bundesweit auf Stellen bewerben kann , ohne umziehen zu müssen . Das gilt andersherum genauso : Auch Unternehmen können überall , auch über Grenzen hinaus , die besten Mitarbeiter finden . Die Digitalisierung bietet die Chance , Arbeit und Leben in Stadt und Land zu verbinden . Denn über 60 Prozent möchten laut einer Kantar-Umfrage
in Dörfern oder Kleinstädten wohnen . Ich glaube , viele Menschen in Deutschland würden sich gerne ab und zu das tägliche Pendeln sparen . Denkt man die Möglichkeiten weiter , könnte das auch zu einer ( Wieder- ) Belebung ländlicher Regionen führen , weil wieder mehr Menschen dorthin ziehen und Dienstleistungen vor Ort nutzen – ob nun Geschäfte , Restaurants oder Kitas . Der digitale Wandel macht es möglich .
Clemens Bartel , Leser
Stille Reserven
Straßen , Schienen und Flüsse verbinden Stadt und Land . Diese Infrastruktur , die oft marode und überlastet ist , bietet Chance und Risiko zugleich . Wenn nur noch mehr Beton für Straßen das Konzept darstellt , ist der Verkehrskollaps der Zukunft absehbar .
Wir haben uns dieses Jahr entschieden , eine Rundreise durch Deutschland zu machen . Wir selbst wohnen in der größten Stadt Deutschlands , unserer Hauptstadt . Daher wollten wir bewusst die großen Städte und den Stress , den sie zwangsläufig mit sich bringen , meiden . Nach drei Wochen habe ich aber genau diesen wieder vermisst . Der Bus , der alle zehn Minuten kommt , oder das Restaurant , welches nicht erst um 17 Uhr öffnet , sind Dinge , die man erst vermisst , wenn man müde in seine Unterkunft zurück möchte oder hungrig ist . Hinzu kommt das oft fehlende mobile Internet , das man vor 20 Jahren nicht gebraucht hätte , aber das Leben enorm erleichtert . Ich brauche beides von Zeit zu Zeit . Auf bald , Wald !
Kreative Lösungen sind in Zeiten der Mobilitätswende gefragt . Hier gibt es massig Chancen für das Land der Erfinder und Ingenieure , die zeigen können , wo das Potenzial von Schiene oder Wasserstraßen liegt , um nur einige Beispiel zu nennen . Das Rad muss aber nicht neu erfunden werden , in der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken schlummert beispielsweise ein riesiges Reservoir .
DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE

STADT UND LAND – EIN DIGITALER VERBUND

João Brown , Experte Regionalentwicklung atene KOM
Urbane Räume sahen sich lange als wirtschaftliche Gewinner der Globalisierung . Bis zu 4 von 1.000 Einwohnern von Großstädten zogen vom Land neu hinzu , mangelnde infrastrukturelle Angebote im ländlichen Raum unterstützten diese Entwicklung . Doch in den letzten Jahren ist eine Veränderung spürbar .
Getragen wird dieser Prozess durch die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und dem voranschreitenden Breitbandausbau in Deutschland . Die Corona-Krise hat ihn noch einmal massiv beschleunigt . Aus einer akuten Notwendigkeit heraus wurden dezentrale Strukturen für Arbeit , Wirtschaft und Verwaltung ermöglicht , die früher nicht denkbar gewesen wären . Die Arbeit , aber auch das Leben wurden multilokaler und stärker von persönlichen Präferenzen bestimmt . Laut einer ifo-Studie wollen fast zwei Drittel der Stadtbewohner näher an der Natur leben . Viele nutzten deshalb die Corona-Zeit als Chance , ihren Lebensmittelpunkt zumindest temporär ins Grüne zu verlagern und von dort zu arbeiten . Die Folge : eine deutliche Verringerung des Pendelverkehrs und des Verkehrs in den Städten . Zwischenzeitlich verließen fast 40 Prozent der Bevölkerung ihre Häuser nicht mehr für die Arbeit . Zwar flacht der Trend ab , die neuen Anforderungen für Gesellschaft und Arbeitswelt aber bleiben bestehen . Gleichzeitig gehören zu einem klimagerechten Verkehr intermodale Lösungen im ländlichen Raum dazu . Viele Menschen haben in den letzten Monaten ein größeres
Bewusstsein sowohl für den Klimaschutz als auch ihre eigene flexible Lebensgestaltung entwickelt und suchen nun nach Lösungen zur Umsetzung . Eine wichtige und aktive Rolle bei der Ausgestaltung der notwendigen Veränderungen spielen die Kommunen , denn sie sind nah an den Bedürfnissen der Bürger vor Ort . Die Kommune ist daher nicht mehr nur Verwalter , sondern zunehmend auch Dienstleister und Gestalter von morgen . Gewinner der Veränderungen sind die Regionen und Kommunen , die über die entsprechende Infrastruktur verfügen . Sogar hier gilt jedoch : „ Nur “ eine flächendeckende
Versorgung mit schnellem Internet allein vermag nicht die Attraktivität ländlicher Räume als Lebens- und Arbeitsräume langfristig zu erhöhen und an urbane Räume anzugleichen , sofern nicht weitere infrastrukturelle Anpassungen umgesetzt werden . Während große und stark wachsende Städte schon lange planerisch integrativ handeln und relevante Infrastrukturen mitdenken , fehlen diese Prozesse vor allem in der gemeinsamen Entwicklung von Stadt und Land . Für eine zukunftsgerichtete und positive Entwicklung dürfen urbane und ländliche Räume aber nicht getrennt gedacht und beplant werden , sondern müssen unter der Vision einer „ Smart Region “ vereint werden . Nur so wird es möglich sein , die Vorteile beider Räume zu nutzen und synergetisch Lösungen für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu finden , die für die Bevölkerung , die Wirtschaft und auch die Verwaltung zu den gewünschten positiven Effekten führen .
Mehr Informationen unter : atenekom . eu