+3 Magazin September 2021 - Page 11

Anzeige
Volker Quaschning , Professor für Regenerative Energien , Hochschule für Technik und Wirtschaft ( HTW ) Berlin
Schluss mit der Panikmache
Seit Jahrzehnten wird mit der Angst vor dem Blackout Stimmung gegen den Ausbau erneuerbarer Energien gemacht . Dabei ist unsere klassische Energieversorgung alles andere als ausfallsicher . Wenn drei systemrelevante konventionelle Großkraftwerke oder Übertragungsleitungen gleichzeitig ausfallen , ist es in Europa dunkel – im Zeitalter zunehmender Cyberkriminalität und internationaler Spannungen kein völlig unrealistisches Szenario . Dezentrale erneuerbare Energien mit verteilten Speichern reduzieren das Risiko . Wollen wir die Folgen der Klimakrise noch irgendwie beherrschbar halten , muss unsere Energieversorgung in den nächsten 15 Jahren ohnehin vollständig auf erneuerbaren Energien , im Wesentlichen auf Photovoltaik und Windkraft , basieren .
In der Kombination mit Speichern können sie Deutschland vollständig und sicher mit klimaneutraler Energie versorgen . Das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien . Dafür müssen wir das Ausbautempo der Erneuerbaren um den Faktor sechs steigern und gleichzeitig die nötigen Speicher sowie intelligente Netze installieren . Wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern die Zukunft nicht völlig zerstören wollen , muss die Politik dafür die richtigen Rahmenbedingungen setzen . Dann sollten wir unsere gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieure einfach ihren Job machen lassen und endlich die sinnlose Panikmache mit der angeblich so schrecklichen Dunkelflaute beenden .
Günter Ferch , Leser
Erneuerbare Energien sind für die Fortdauer der Menschheit unabdingbar . Getan wird meines Erachtens dafür aber zu wenig . Oft hieß es , es gäbe kein Geld . Diese Ausrede wurde aber für viele Bereiche genutzt . Es wird Zeit , dass wir die brachliegenden Flächen endlich sinnvoll nutzen .
The Innovation Hub for New Energy Solutions MESSE MÜNCHEN
STROM SEI DANK Was durch die Erneuerbaren an Treibhausgasen vermieden wird in Millionen Tonnen
300

RESTART 2021

250
Strom Wärme
Verkehr ¹
218,9
226,6
200
150
100
50
27,8
34,3
46,0 50,4 57,0 63,1 76,0 82,3 87,5 101,0 100,8 102,9
114,2 129,4 133,6 137,0
150,7 163,8 166,3
179,2 188,6
Innovative Produkte und Lösungen für Ihre persönliche Energiewende Neues aus den Bereichen Photovoltaik , Energiespeicher und E-Mobilität Trendthemen wie Klimaneutralität für Unternehmen und grüner Wasserstoff Treffen Sie 20.000 + Energieexperten und 800 Aussteller auf vier parallelen Fachmessen
0
1990
... ...
1995
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
¹ nur durch Biokraftstoffe
Joachim Schubert , Leser
Stoff mit Zukunft
Der meiste Strom wird in Deutschland mittlerweile aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt . Selbst wenn Anlagen und Netze dafür weiter ausgebaut werden , treten hierzulande zwei Lücken auf : Die eine nachts , wenn in lauen Sommernächten beide Energiearten praktisch ausfallen und der Nachtstrom durch fossile Kraftwerke , Stromimporte und Pumpspeicher erzeugt werden muss . Die zweite Lücke entsteht ganztags während Dunkelflauten , die – wie im Januar 2017 – bis zu zwei Wochen anhalten können . Wenn dann Kohle- und Kernkraftwerke abgeschaltet sind ,
Quelle : Umweltbundesamt
würden tagsüber rund 50 Gigawatt an Leistung fehlen , denn Stromspeicher wie Pumpspeicher und Batterien wären nach wenigen Stunden leer . E-Autos und Wärmepumpen werden den Leistungsbedarf künftig um mindestens zehn Gigawatt steigern . Also müsste künftig eine Lücke von ungefähr 60 Gigawatt witterungsunabhängig abgedeckt werden , am besten durch gasbefeuerte flexible Heizkraftwerke . Das wären dann 120 neue Kraftwerksblöcke in den nächsten 17 Jahren . Diese würden nicht nur das Stromnetz stabilisieren , sondern auch weiterhin die bestehende Fernwärmeversorgung absichern . Sie können mit Erdgas und zunehmend mit Biogas sowie mit „ grünem “ Wasserstoff betrieben werden .
Werden Sie Teil der führenden Energiefachmessen und -konferenzen The smarter E Europe