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Abseits der bekannten Pfade
Die Alpen sind natürlich immer eine Reise wert . Wichtig ist dabei eine gute Planung – um im Gebirge sicher unterwegs zu sein und damit die Anreise nicht im Stau endet . Denn es zieht immer mehr Menschen in die Berge . Besonders jetzt , wo viele typische Urlaubsländer nicht als Ziel infrage kommen , leiden insbesondere die bekannten Destinationen unter den Besucherströmen : Bergdörfer versinken in Blechlawinen , die Woche für Woche durch den Ort rollen . Anwohner beschweren sich über zugeparkte Wohngebiete , Abgase und Lärm . Und auch für die Besucher und Besucherinnen ist der Ausflug kein Spaß mehr : Nach stundenlanger Anreise über verstopfte Straßen sind die Parkplätze überfüllt und der Gipfel nicht so einsam wie erwartet . Dann spricht man von „ Overtourism “ – wenn Einheimische und Gäste den Tourismus als „ zu viel “ und die Infrastruktur als überlastet empfinden . Sollte die Reise also doch nicht in die Alpen gehen ? Doch . Overtourism betrifft nicht die
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Steffen Reich , Leiter Naturschutz und Kartographie , Deutscher Alpenverein ( DAV )
Alpen , sondern nur ein paar Hotspots . Wer sich einen etwas weniger prestigeträchtigen Fleck in den Alpen sucht und im besten Fall mit Bahn und Bus anreist , kann sich auf eine Reise mit atemberaubenden Weitblicken in einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft freuen . Es müssen aber nicht unbedingt immer die Alpen sein . Bergbegeisterte finden auch in den Mittelgebirgen ihr Gipfelglück .
Dominik Verhoeven , Leser
Die Auswahl sinkt
Am Anfang des Jahres dachten wir an eine kleine Europa-Tour . Wir hatten Städte ausgesucht und Flüge gebucht . Im April erreichte uns dann die Nachricht , dass einzelne Teile unserer Flüge storniert wurden . Wir hatten Glück , im Nachgang wurden alle Flüge storniert und wir erhielten unser Geld wieder . Nun stehen wir vor der gleichen Frage wie am Anfang des Jahres : Wohin geht unser nächster Urlaub ? Urlaub ist möglich , aber Corona hinterlässt seine Spuren . Ampelsysteme , mögliche Quarantäne und Einschränkungen im Land sind die Informationen , die man aktuell benötigt , um in den Urlaub zu gelangen . Die Frage nach dem schönsten Strand ist leider nicht mehr relevant .

DER ERSTE ZERLEGBARE GASGRILL DER WELT

Silvía Kloppburg-Bergfried , Leserin
Urlaub neu entdecken
Neue Nähe
Bettina Tietjen , Fernsehmoderatorin und Autorin
Ich liebe Camping . Sobald sich der Frühling ankündigt , zieht es mich nach draußen , ungeschminkt und ohne festes Ziel der Sonne entgegen . Urlaub mit unserem selbstausgebauten Wohnmobil bedeutet für mich Freiheit . Ich brauche nichts langfristig zu planen , kann jeden Morgen neu entscheiden , wohin die Reise geht . Mindestens sechs Wochen im Jahr waren wir bisher in unserem Van in ganz Europa unterwegs , von Schweden bis Apulien , von Holland bis Galizien . Inspirierende Roadtrips . Nie lange Stillstand , immer wieder aufbrechen , Neues entdecken , das war unser Prinzip . Dann kam Corona . Die Angst hat das Fernweh verdrängt . Zu Hause bleiben , das Schöne auch mal nebenan suchen – dagegen
Zu jedem Jahresende fängt bei uns die Planung für den Urlaub im kommenden Jahr an . Danach wird gebucht und es beginnt die Vorfreude . Dieses Jahr hatte sich unsere Vorfreude im März erledigt . Corona , Einreiseverbote , Einschränkungen im Leben vor Ort , Stornierungen . Glück im Unglück – wir hatten eine Pauschalreise gebucht und bekamen unser Geld schnell wieder . Vor wenigen Wochen saßen ich mit meinem Mann gemeinsam am Rhein und wir überlegten , wo und wie wir Urlaub machen können . Anfangs dachten wir , wir warten , bis alles wieder
normal ist , und buchen dann . Aber mittlerweile haben wir festgestellt , dass Urlaub eine neue Bedeutung erlangt hat . Kurzfristig in die Länder mit grüner Ampel und am besten noch heute ist die neue Devise – denn gerade ist es günstig und vor allem menschenleer . Freunde waren in Rom und konnten fast alle Attraktionen allein besichtigen , ohne Wartezeit . Wir kommen gerade aus Venedig und fliegen als nächstes nach Wien . Wir waren bestimmt schon zehnmal in Venedig , aber noch nie habe ich diese Faszination von Stadt erlebt wie in den letzten Tagen . Kein Gedränge , kein Anstehen , kein Gefühl von Stress . Meine Empfehlung ist , den Urlaub neu zu entdecken – am besten heute noch .
habe ich mich anfangs gesträubt . Doch während der Dreharbeiten zu meiner Sendung „ Tietjen campt “ habe ich festgestellt , dass ein Sonnenuntergang über dem Schweriner See genauso romantisch sein kann wie am Mittelmeer – auch wenn meine geliebte Hängematte nicht unter Pinien , sondern unter Eichen baumelt . Und trotz Masken und Abstandsgebot hat man auch beim Campen auf einmal das Gefühl , enger zusammenzurücken . Da , wo wir vielleicht früher innerlich auf Distanz gegangen wären , suchen wir jetzt die Nähe zum anderen , auch wenn dessen Klappstuhl zwei Meter entfernt steht . Vielleicht wird mir jener Septemberabend am Elbstrand , als ich fröstelnd zusammen mit fremden Menschen zur Gitarre deutsche Schlager sang , intensiver in Erinnerung bleiben als so manche laue Nacht mit Pizza auf der Piazza .
Marco Klein , Leser
Reisen für alle
SKOTTI-GRILL . EU
Johannes Kromka , Leser
Entdecke die Welt
Früher führten mich meine Reisen an Orte , an denen ich nichts tat , außer mich in die Sonne zu legen . Mittlerweile sind Reisen für mich Möglichkeiten , um Erinnerungen zu schaffen und über mich selbst hinauszuwachsen . Auf die höchsten Berge möchte ich steigen und die unterschiedlichsten Kulturen kennenlernen . Früher hieß Urlaubsvorbereitung : Reise buchen , Tasche packen und fertig . Heute trainiere ich fast täglich für meine Reisen , um meine körperlichen Grenzen auszuloten und meine Willenskraft zu testen . Sie verändern mein Leben und meine Sichtweise auf mich . Vor allem aber sollte jeder von uns diesen Planeten und seine Geschöpfe erleben , mal Neues ausprobieren und sich trauen , Risiken einzugehen . Das Leben spielt sich nicht in der eigenen Komfortzone ab , sondern darüber hinaus .
Die Reise soll dahin gehen , wo es den Kindern gefällt . Dieser Satz kann bei vielen Stirnrunzeln und Bilder von kinderbestimmten Eltern hervorrufen , die sich zum Diener ihres eigenen Nachwuchses degradieren . Gemeint ist aber vielmehr , dass eine Reise erst dann richtig spannend und entspannend ist , wenn es allen Familienmitgliedern gefällt . Der aufoktroyierte Familienurlaub am immer gleichen Ferienziel ist genauso öde und stressanfällig wie ein durchorganisierter Urlaub , bei dem sich alle den Prinzen und Prinzessinnen unterzuordnen haben . Wichtig ist eine gute Balance , damit jeder seine Freiräume hat und genug Zeit für gemeinsame Aktivitäten bleibt . Ob die Reise dann zur Oma in den Garten , nach Sri Lanka an den Strand oder auf den Mount Everest geht , ist zweitrangig . Eltern sollten Reiseziele aus beider Perspektive aussuchen . Denn Eltern und Kinder sollen gleichzeitig entspannen , Abenteuer erleben und Zeit füreinander haben . Dann hat man das richtige Reiseziel gefunden .