+3 Magazin September 2014 | Page 16

D a s s a+ 2 e n S i e gt 16 Welcher Luxus glücklich? macht Hannah R. Dominik Lennartz Der Luxus, etwas wundervolles, verrücktes zu erleben, an das man sich noch Jahre später erinnert und einen Menschen zu haben, mit dem man Erinnerungen schaffen und sie teilen kann. Dinge, über die man lachen kann, ohne dass andere den Sinn verstehen – das verbindet. Ich erinnere mich zum Beispiel immer noch, wie ich damals im Sommer hinten auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads sitzend mit meiner Freundin die hüfthoch stehende, abschüssige Wiese hinab gebraust bin und an die Angst, jedesmal vor den Bäumen nicht rechtzeitig zu bremsen ... Der Luxus, gemeinsame Erinnerungen zu teilen, macht glücklich. Ewald I. Meine Lehre als Koch war ein Knochenjob. Wenn ich gehen wollte, bevor der Chef es für richtig hielt, gab es einfach eine mit dem Küchenlöffel. Bis fast zum Schluss rief er mich nur mit: Hey, Depperl. Jeden Monat habe ich 5 Mark von 180 Mark Lohn gespart, weil ich in der Stadt eine Rolex im Schaufenster sehen konnte. Sie zeigte das Datum und auch den Wochentag an. Als ich die Summe fast zusammen hatte, zahlte ich nur die Miete und aß einen Monat Küchenreste. Aber ich hatte die Uhr und er konnte mir nichts mehr tun. Seinen Blick werde ich nie vergessen, es war mein Triumph, dass ich etwas wert bin. Er konnte mich sogar nicht mehr beschimpfen. Die Uhr ist leider Gottes verloren gegangen. Aber ich besitze ihren Wert bis zum heutigen Tag. Luxus ist für mich etwas haben zu können, es aber nicht haben zu müssen. Das bezieht sich zwar auch auf materielle Dinge, jedoch nicht ausschließlich. So könnte ich z.B. mir ein neues Auto kaufen, muss es aber nicht, denn das alte ist noch gut. Ebenso könnte ich mit der netten Dame vom letzten Wochenende ausgehen. Muss es aber nicht, denn ich habe schon eine feste Begleitung. :P Herbert Gramm-Tangemann Luxus bedeutet für mich an erster Stelle Freiheit. Die Freiheit der Rede, die Freiheit der Bewegung, die Freiheit Nein zu sagen. Die Glücksforschung ist hier in der leidlichen Rolle immer wieder betonen zu müssen, dass solche Freiheiten von einer materiellen Grundlage abhängen, diese aber nur eine notwendige, keine hinreichende Bedingung darstellt. Wer Geld hat, kann, muss aber nicht glücklich sein. Wer gar kein Geld hat, kann nur schwerlich glücklich werden. Ich denke: Um denoch ohne Geld den Luxus eines glücklichen Lebens zu haben, bedarf es der Herzensarbeit. Wenn ich es schaffe, mich wirklich von gesellschaftlichen Vorstellungen zu lösen und durch das Vertrauen meine inneren Wünsche entdeckt und verstanden zu haben, diesen ohne Einbußen im Selbstbewusstsein ausleben kann ... dann erfahre ich glücklichmachenden Luxus in Form von Freiheit. Cordt Würdemann Das eigene Leben aktiv gestalten zu können macht mich glücklich. Und wenn dabei Anderen und der Umwelt nicht nur nicht geschadet, sondern sogar genutzt wird, ist mein Glücksgefühl umso größer. 16