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Jens Richter , Leser
Diabetes ist heilbar
Diabetes ist eine Volkskrankheit . Und ich habe Diabetes Typ 2 . Zwei einfache Sätze , ich habe aber lange gebraucht , um sie als wahr anzusehen . Da war mein alter Hausarzt , der einen Langzeitblutzuckerwert von 7,2 Prozent als nicht schlimm ansah . Aber ich hatte Glück : Ein Facharzt setzte sich über die Verharmlosung meines Hausarztes hinweg und begann , mich zu therapieren . Mein Wunsch , meine Werte richtig zu senken , führte zum Diabetologen . Ich bekam neue Medikamente und nahm an einem Diabetes-Schulungskurs teil . Mit didaktisch unerträglichem Material , aber einem sehr engagierten Kursleiter kam die Wende . Durch
Gewusst wie
Diana Rubin , Leiterin Vivantes-Zentrum für Ernährungsmedizin
Für Menschen mit starkem Übergewicht steigt das Risiko , an einer Typ- 2-Diabetes zu erkranken . Helfen kann eine Ernährungs- und Bewegungsumstellung , um Gewicht zu verlieren . So lässt sich die Erkrankung für Jahre im Griff behalten , was bisher mit keinem Medikament zu erreichen ist . Allerdings schaffen das bisher nur zehn bis 15 Prozent der Patienten . Denn nicht nur das Essverhalten , auch die gesellschaftlichen Umstände müssten sich ändern . Damit meine ich , dass politisch ernährungsförderliche Umwelten geschaffen werden müssen , zum Beispiel in Kita und Schule . Das Wissen über eine gesunde Ernährung ist oft vorhanden , es mangelt aber etwa beim Einkaufen an konkreten und verständlichen Kennzeichnungen von verpackten Lebensmitteln . Fertigprodukte und verarbeitete Lebensmittel wie Fruchtjoghurts oder Müslis haben einen hohen Zuckergehalt . Auch das macht es schwer , im Supermarkt richtige Entscheidungen zu treffen . Wichtig für eine nachhaltige individuelle Nahrungsumstellung ist zudem , dass das Essen schmeckt und den Mustern des Einzelnen entspricht . Hier bietet sich etwa die mediterrane Ernährung mit gesundem Olivenöl an . Grundsätzlich ist es wichtig , nicht mehr zu essen , als der Körper an Energie verbraucht . Nicht das Verhältnis von Kohlenhydraten , Fett oder Eiweiß ist entscheidend , sondern deren Qualität . Günstige Kohlenhydrate sind zum Beispiel in Vollkorngetreide , Hülsenfrüchten und Gemüse enthalten , ungünstige in Süßwaren und Süßgetränken .
radikale Ernährungsumstellung und den Wunsch , gut zu kochen , gelang mir der Durchbruch : Ich nahm in einem Jahr 25 Kilo ab . Diesen Sommer kam noch dazu , dass ich anfing , mich richtig zu bewegen . Einfach durch Bewegen bei Fitnesskursen auf Youtube . Bei mir ist Diabetes mehr oder weniger geheilt . In der Gesellschaft sieht das ganz anders aus . Noch immer wird in der Schule Ernährung nicht unterrichtet , noch immer ist der Rahmenreferenzwert für Zucker bei Lebensmittelauszeichnungen in Deutschland zu hoch . Die Gesellschaft ist zuckerkrank und die Zucker-Lobby mächtig . Solange wir den Kampf gegen Diabetes nicht endlich gemeinsam aufnehmen , bleibt die Krankheit bei zu vielen bestehen , die Kosten für die Gesellschaft sind enorm . Ich habe Diabetes besiegt , die Gesellschaft steht noch nicht einmal am Anfang .
WARNSIGNALE Was auf beginnenden Diabetes hindeuten kann
Starker Durst
Tina Liston , Leserin
Zukunft durch Technik
Ich selbst habe kein Diabetes , in meinem familiären Umfeld ist jedoch Diabetes sehr verbreitet . Als ich ein Kind war , und das ist jetzt schon über 50 Jahre her , war die Situation für mich sehr verstörend . Denn ich habe den einen oder anderen Diabetesschock miterlebt . Dabei kann eine unbehandelte schwere und andauernde Unterzuckerung tödlich enden . Das hat mir natürlich Angst gemacht , denn niemand möchte jemanden aus der Familie vom Notarzt behandelt oder gar sterben sehen . Damals waren die medizinischen Hilfsmittel aber noch auf einem ganz anderen Stand . Mittlerweile ist die Technik so weit ausgereift , dass man im Alltag kaum noch Einschränkungen spürt . Verschiedenste Geräte helfen einem , den Alltag zu meistern . Selbst das sogenannte Pieksen oder Spritzen kann einem durch automatische Insulinpumpen abgenommen werden . Zumindest ist es das , was ich beobachten kann .
Taubheitsgefühle
Scheideninfektionen
Gewichtsverlust
Sehstörungen
Übermäßiger Hunger
Gudrun Schultz , Leserin
Weißes Gift
Mir fällt besonders auf , dass auffällig viele Kinder an Diabetes erkranken . Aus meiner Sicht besteht hier ein direkter Zusammenhang mit dem Übermaß an Zucker , der alltäglich konsumiert wird . Das Übergewicht zu Diabetes führen kann , ist eine Tatsache . Besonders perfide sind Lebensmittel , die speziell für Kinder designt sind und die oftmals ein Vielfaches an Zucker enthalten als vergleichbare Produkte für Erwachsene . Es ist ein Armutszeugnis , dass die Industrie hier gewissenlos agiert und die Politik bisher nur halbgare Lösungen gefunden hat , darauf Einfluss zu nehmen . Es ist ein großer Wunsch und Auftrag an die neue Bundesregierung , hier endlich mehr für die Kinder zu tun .
Ralf Hütter , Leser
Müdigkeit
Häufiger Harndrang
Schlechte Wundheilung
Quelle : lifeline
Das Leben geht weiter
Als ich die Diagnose Diabetes bekommen habe , war ich geschockt . Leider hatte mein Hausarzt , wie so oft , viel zu wenig Zeit für meine vielen Fragen . Ich habe dann leider den Fehler gemacht , im Internet zu recherchieren , und bin dort auf eine verwirrende Fülle an Informationen gestoßen , die mich noch unruhiger und ängstlicher gemacht hat . Nachdem ich dann endlich einen Termin bei meiner Diabetologin bekommen habe , hat sich der Nebel der Unkenntnis gelichtet . Die Ärztin hat sich richtig viel Zeit für mich genommen und mir als Grundlage erklärt , was in meinem Körper nicht mehr richtig funktioniert . Auch die Konsequenzen auf meinen Lebensstil und vor allen auf meine Ernährung haben wir ausgiebig besprochen . Nachdem ich erst mit Tabletten behandelt wurde , hat sich schnell rausgestellt , dass ich nicht um Insulin herumkomme . Das war für mich die
Was ist Ihre Meinung ?
Doris Steffen , Leserin
Ihr Name , Leserin
Schreiben Sie uns , was Sie zu den kommenden Fragen auf der letzten Seite denken – vielleicht erscheinen Sie dann im nächsten Heft .
Langfristig denken
Acht Millionen Deutsche leiden an Diabetes . Das ist eigentlich falsch formuliert . Denn niemand der Erkrankten leidet an Diabetes , sie tut nämlich nicht weh . Schmerzhaft sind allein die Folgeerkrankungen – und davon auch nicht alle . Der neue Alltag nach der Diagnose Diabetes Typ 2 sieht durch diese Schmerzfreiheit deshalb bei den meisten Patienten genauso aus wie der alte Alltag vor der Diagnose . Es fehlt an Krankheitseinsicht und Umstellungswillen . Die Prophylaxe und auch die Behandlung besteht darin , weniger zu essen , sich natürlicher zu ernähren und ausreichend zu bewegen . Wie beim Rauchverbot im öffentlichen Raum sind beim Umgang mit Diabetes Typ 2 staatliche Maßnahmen gefragt : zum Beispiel Belohnungen bei sportlicher Aktivität , die Beschränkung der Süßigkeitenangebote im Supermarkt , eine Entzuckerung von Lebensmitteln . Die individuelle Einschränkung auf freiwilliger Basis scheitert immer daran , dass Menschen lieber kurzfristig genießen , als langfristige Folgen zu realisieren .
Daniel Meitinger , Leser
Ich hatte Bluthochdruck , Übergewicht und wurde vor Diabetes gewarnt . Irgendwie wollte ich es nicht verstehen und habe es mir schöngeredet . Nun lebe ich ein Leben mit Diabetes . Es hat mir zwar zu einem positiveren und gesünderen Leben verholfen , aber zu welchem Preis . Dabei hätte ich die Entscheidung , meine Ernährung und Bewegung zu ändern , einfach vorher treffen sollen . Denn das Leben ist dann viel lebenswerter .
nächste Schockstufe . Ich war noch nie ein Freund von Spritzen und die Notwendigkeit , dass ich jetzt diszipliniert und regelmäßig und auch noch selber zur Spritze greifen muss , war erst mal schwer zu verdauen . Im Nachhinein hat sich gezeigt , dass nichts so heiß gegessen wird , wie es gekocht wird . Das Spritzen gehört mittlerweile zur täglichen Routine und die angepasste Ernährung hat den angenehmen Nebeneffekt , dass jetzt Klamotten passen , die jahrelang im Schrank ganz nach hinten verbannt waren .