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Hilfe vor Ort
Andreas Neu , Kinderdiabetologe und Präsident Deutsche Diabetes Gesellschaft ( DDG )
Jährlich erkranken hierzulande rund 3.500 Kinder und Jugendliche neu an einem Typ-1-Diabetes . Gerade im Grundschulalter benötigen sie Unterstützung . Den Insulinbedarf an Sport und Spiel , an Lernstress und Schulessen anzupassen , ist eine komplexe Herausforderung , die sie oft noch nicht allein meistern können . Lehrkräften fehlt das medizinische Wissen ,
Katharina Warncke , Kinderärztin und Wissenschaftlerin , München Klinik , Klinikum rechts der Isar und Helmholtz- Zentrum München
Stärkt die Kleinsten
Etwa vier von 1.000 Kindern und Jugendlichen erkranken an Typ-1- Diabetes . Die Ursache ist eine Autoimmunreaktion , bei der sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Insulin-produzierenden Zellen richtet und diese zerstört . In den letzten Jahrzehnten zeigte sich eine stetig steigende Neuerkrankungsrate , deren genaue Ursache unklar ist . Die Diagnose trifft die Familien in der Regel völlig unerwartet . Typ-1-Diabetes ist heutzutage gut behandelbar , geht aber dennoch mit Einschränkungen für die Betroffenen einher . Mit Insulinpumpen , kontinuierlichen Messgeräten , Apps und neuen Insulinen stehen moderne Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung . Ein Leben mit Diabetes gelingt allerdings nur dann gut , wenn das gesamte Umfeld von der Familie über Freundinnen und
um zu unterstützen . Daher brauchen wir die flächendeckende Etablierung von Schulgesundheitsfachkräften , die chronisch kranke Kinder im Schulalltag kompetent begleiten . Zwei Modellprojekte in Brandenburg und Hessen zeigen : Deren Einsatz zahlt sich aus . Dort kam es zu weniger Rettungswageneinsätzen und zu geringeren Behandlungskosten . Für Kinder mit Diabetes Typ 1 bedeutet dies : verbesserte Glukoseeinstellung , weniger Notfallsituationen , weniger Fehlzeiten und Ausgrenzung sowie eine positivere Lebensperspektive . Zur Finanzierung der Schulgesundheitsfachkräfte sind Anstrengungen von Bund , Ländern , Kommunen und Sozialversicherungsträgern erforderlich . Zunächst sollte die Lebenswelt Schule ins Präventionsgesetz aufgenommen werden . Die Krankenkassen könnten mit einem Euro pro Versichertem einen Beitrag in Höhe von rund 57 Millionen Euro in einen Fonds einzahlen , der über die Länder an die Schulen weitergegeben werden kann . Auch Länder und Unfallkassen könnten sich beteiligen , der Bund einen „ Gesundheitspakt Schule “ auflegen oder eine Bundesstiftung „ Schulgesundheit “ gründen .
Freunde bis hin zu den Lehrkräften dazu beiträgt . In unserer Klinik sehen wir durchschnittlich ein bis zwei neu erkrankte Kinder pro Woche . Mit einem Team aus Spezialisten aus unterschiedlichen Berufsgruppen haben wir das Ziel , dass betroffenen Kindern und ihren Familien ein glückliches und gesundes Leben mit Diabetes gelingt . Trotzdem gibt es immer noch etliche Betroffene , die sehr unter der Erkrankung leiden und / oder initial oder im Verlauf in eine lebensbedrohliche Situation kommen . Internationale Forschung und klinische Prüfungen tragen dazu bei , Diabetes bei Kindern früh zu erkennen und zu behandeln . Das langfristige Ziel dabei ist : Diabetes bei Kindern zu verhindern .
RISIKOFAKTOREN
Was Diabetes Typ 2 begünstigt
Medikamente oder hormonelle Erkrankungen
Fettleber
höheres Alter
Depression
Bewegungsmangel
ungesunde Ernährung
Übergewicht
Rauchen und Alkohol
Typ-2-Diabetes in der Familie
Schwangerschaftsdiabetes
Bluthochdruck
erhöhte Blutfette
Quellen : diabinfo , Landgraf et al . 2018
Hand in Hand
Nikolaus Scheper , Facharzt für Diabetologie und Vorstand Bundesverband Niedergelassener Diabetologen ( BVND )
In Deutschland gibt es für die Therapie von Menschen mit Diabetes ein erfolgreiches System : Hausärzte behandeln sie Hand in Hand mit Fachärzten . Das funktioniert gerade in ländlichen Regionen gut . Vier Beispiele aus einer Diabetologischen Schwerpunktpraxis zeigen , wie wichtig eine gemeinsame Betreuung ist :
Paul R . ist seit 20 Jahren Patient . Sein Typ-1-Diabetes wurde hier diagnostiziert und er begann sofort eine Insulintherapie . Seither kommt er gut mit seinem Diabetes zurecht .
Michi L . erwartet ihr erstes Kind . Bei einem Glukosetoleranztest wurde Schwangerschaftsdiabetes festgestellt . Dank der Hilfe ihrer Diabetesberaterin hat sie jetzt beste Chancen , ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen .
Janis V . ist 18 Jahre und trägt eine Insulinpumpe . Sein Blutzucker ist ihm aber gerade egal . Zur Motivation wird ihm eine App für Diabetiker empfohlen , mit der er zusammen mit dem Diabetologen seine Werte checken kann .
Michail W . ist seit 15 Jahren an Typ- 2-Diabetes erkrankt . Erstmals hat er offene Stellen an seinen Zehen . In der Diabetologenpraxis bewahrt man ihn zusammen mit einer gefäßchirurgischen Krankenhausabteilung vor einer drohenden Amputation .
Fazit : Neuentdeckte Diabetiker und solche mit Komplikationen und Stoffwechselproblematiken sollten eine Diabetologische Schwerpunktpraxis aufsuchen , die mit dem Hausarzt und weiteren Fachmedizinern die geeignete Betreuung übernimmt . ›
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