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WIR FRAGEN :

WIE GEHT MAN MIT DIABETES UM ?

Schon die Azteken schätzten Kakao so sehr , dass sie die edlen Bohnen als Währung benutzten – ein Truthahn soll vor 500 Jahren rund 200 Kakaobohnen gekostet haben .
Quelle : theobroma-cacao . de © iStock ./ nadisja
Jens Kröger , Vorstandsvorsitzender diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
Immer beherrschbarer
Diabetes mellitus ist prädestiniert für digitale Lösungen , die das Leben von chronisch Kranken im Alltag erleichtern . Wie bei keiner anderen Erkrankung sind Menschen mit Diabetes angehalten , regelmäßig ihre Glukosedaten zu überprüfen und die Therapie anzupassen . Von der Digitalisierung versprechen sich Patienten mit Diabetes eine Erleichterung ihrer Krankheitslast und die Stärkung des Patientenselbstmanagements . Die kontinuierliche , unblutige Glukosemessung ( CGM ) und die automatisierte Insulingabe sind bei vielen bereits genauso Realität wie die Dokumentation
therapierelevanter Daten mittels Software oder App statt eines Blutzuckertagebuchs . CGM-Systeme ermöglichen die permanente Überwachung der Glukosewerte , tragen zur Vermeidung von Hypoglykämien bei und geben den Patienten mehr Sicherheit . Diese Sicherheit wird durch die Kombination von Insulinpumpen mit CGM-Systemen als Hybrid-Closed- Loop-Systeme noch erhöht , was die Therapieergebnisse weiter verbessert . Telemedizinische Sprechstunden ersparen beschwerliche Wege zum Arzt und unnütze Wartezeiten . Der Zugang zu und der Umgang mit medizinischen Daten wird zukünftig durch die elektronische Patientenakte erleichtert . Hinzu kommen digitale Gesundheitsanwendungen ( DiGas ), die die Therapie zum Beispiel in Ernährungsfragen unterstützen . Übrigens : Selbst der Patiententag zum Weltdiabetestag am 14 . November wird in diesem Jahr digital sein : weltdiabetestag . de
Barbara Bitzer , Geschäftsführerin Deutsche Diabetes Gesellschaft ( DDG ) und Sprecherin Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten ( DANK )
Auf die Verhältnisse kommt es an
Die neue Bundesregierung hat viele und große Aufgaben vor sich , die gezielte Prävention nichtübertragbarer Krankheiten gehört dazu . 71 Prozent der Todesfälle weltweit werden durch ernährungsabhängige Krankheiten verursacht . Auch in Deutschland sind bereits heute zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen übergewichtig . Und : Etwa jedes siebte Kind ist zu dick . Appelle an die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen , sich gesünder zu ernähren , verhallen und
bundesweite Angebote für mehr Ernährungsbildung erreichen nur die , die sich ohnehin mit einer gesunden Lebensweise beschäftigen . Damit wird Deutschland der Entwicklung nicht Herr . Wir brauchen einen Paradigmenwechsel von der Verhaltens- hin zur Verhältnisprävention . Die kommende Bundesregierung muss endlich ein Umfeld schaffen , das es allen Menschen in unserem Land erleichtert , sich gesund zu ernähren . Mit einem verpflichtenden Nutri-Score auf allen Lebensmitteln , einem Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel und einer nach Nährwertprofil gestaffelten , sogenannten gesunden Mehrwertsteuer , die gesunde Produkte steuerlich entlastet und im Gegenzug Lebensmittel , die viel Zucker , Fett und Salz enthalten , stärker besteuert , können wichtige Signale gesetzt und der Adipositas-Tsunami gebremst werden .