+3 Magazin Oktober 2017 | Page 14

+2 14 WIE MACHT ARBEIT MEHR SPASS? WIR FRAGEN: ... und was ist Ihre Meinung? www.plus-drei.de [email protected] Nur zwei von zehn deutschen Arbeitgebern bieten ihren Mitarbeitern Erholungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz an – während sich 90 Prozent aller Arbeitnehmer das wünschen würden. Quelle: Dr. Grieger & Cie. Marktforschung © iStock./BraunS Knut Reinhardt, ehemaliger Profi-Fußballer und heutiger Grundschullehrer Begeisterung wecken Früher kickte ich vor 60.000 Fans im Dortmunder Westfalenstadion. Das gab mir einen wahnsinnigen Kick. Dann aber kam das verletzungsbe- dingte Aus. Von heute auf morgen stand ich nicht mehr im Rampen- licht, sondern stürzte ins Bodenlo- se, denn ich kannte nichts anderes als Fußballspielen. Zum Glück hatte mein Vater mich zum Abitur, wie soll ich sagen, gezwungen. Ein Freund meinte, ich müsse Lehrer werden. Mit Kindern konnte ich immer gut. Also schrieb ich mich an der Uni ein, lernte das Lernen und quälte mich durchs Studium. Als ich den Abschluss hatte, war ich stolz und unglaublich motiviert. Das hat sich später auf meine Schüler übertra- gen. Dortmunder Nordstadt, sozia- ler Brennpunkt, großes Konfliktpo- tenzial. Meine Erfahrungen aus dem Sport kann ich hier wunderbar ein- setzen, was ich auch in meinem aktu- ellen Buch detailliert beschreibe. Es ist toll zu erleben, wie leicht Kinder im Grunde zu begeistern sind, wenn man ihnen vertraut, wie leistungs- bereit sie sind, wenn man sich ihnen zuwendet. Ich stelle klare Regeln auf, widme ihnen meine Aufmerk- samkeit und fordere Respekt ein. Je- des Kind erhält bei mir das Gefühl, eine wichtige Rolle im Klassenteam zu spielen. Und eigentlich alle zah- len es doppelt und dreifach mit Liebe und Lernbereitschaft zurück. Viele schaffen sogar den Sprung auf eine weiterführende Schule. Was ich mit meinen Schülern heute täglich erle- be, bedeutet mir hundert Mal mehr als meine sportlichen Erfolge. Elvira Neundorf, Leserin My way Ich bin ausgebildete Schriftsetzerin und habe später bei einem Zeitungs- verlag im Anzeigenverkauf gearbei- tet. Die Krise in der Zeitungsbranche führte zu meiner Kündigung Ende 2006. Zeitgleich verließ mein Mann die Familie. Als Geschiedene, Mut- ter, Arbeitnehmerin und Arbeits- lose durchlitt ich nun alles, was das Leben so bietet. Im Spannungsbo- gen, Teil einer Gesellschaft sein zu wollen, die mich akzeptiert mit all meinen Qualifikationen, Erfahrun- gen und Fachkenntnissen, war dies meine härteste Zeit ever. Ich musste ein Selbstbewusstsein entwickeln, das jede Arbeit, egal was es war, mir half, dranzubleiben und zuversicht- lich nach vorne zu schauen. Pflegear- beit mit einer Familienangehörigen, Brötchen schmieren in einer Bäcke- rei, Sekretärin und Werbebüromit- arbeiterin, schließlich Briefträgerin und Redressen-Bearbeiterin. Diese zehn Jahre haben mich geformt und zu einer selbstbewussten Arbeitneh- merin gemacht. Der Schlüssel für meine Vollzeitberufstätigkeit liegt in zwei konträren Arbeitswelten. Zu 75 Prozent bin ich als Bodenstewardess am Flughafen angestellt und die rest- lichen 25 Prozent darf ich in einem städtischen Museum mitarbeiten. In der Praxis bedeutet das für mich, fünf Tage der Woche auf dem Flughafen zu sein und die restlichen zwei Tage im Museum. Dies zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, weil beide Tä- tigkeiten versicherungspflichtig sind. 2027 kann ich dann getrost in den mir dann wirklich verdienten Ruhe- stand gehen.