+3 Magazin November 2020 - Page 19

Michaela Maria Müller , Autorin und Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr
Jeder kann helfen
Antonia Rados , Fernsehjournalistin und Autorin
Ich bin Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr , einer von vielen : In Deutschland gibt es rund 23.700 Feuerwachen mit etwa 1,1 Millionen aktiven Feuerwehrleuten . Das ist ein enges Helfernetz . Die meisten von uns , fast 95 Prozent , tun dies ehrenamtlich , das heißt , sie nehmen regelmäßig an Einsätzen , Übungen und Ausbildungen teil . Im Alltag haben wir normale Berufe , vom Landwirt bis zur Lehrerin . Dazu kommen Berufs- und Werksfeuerwehren in größeren Städten und Betrieben . Die Antwort auf die Frage , wer in der Not hilft , scheint auf den ersten Blick einfach zu sein : Wenn Menschen , Leben oder Besitz in Gefahr sind , sind Feuerwehr und Rettungskräfte zur Stelle . Aber wie tun sie das ? „ Teamwork ist , wenn alle das Gleiche wollen : Leben retten “, las ich neulich auf der Scheibe eines Rettungsfahrzeugs . Ein guter Claim , dachte ich : Im Einsatzfall ist der kleinste gemeinsame Nenner zugleich der größte und wichtigste . Doch das Teamwork geht noch viel weiter . Alle Anwesenden am Unfall- oder Einsatzort sind gefragt : die Ersthelfer , die Autofahrer , die eine Rettungsgasse bilden , die Umstehenden , die ein Helfen der Einsatzkräfte schnell und zügig möglich machen . Man sagt manchmal , die Feuerwehr sei wie eine Familie . Denn so unterschiedlich wir alle sind , wenn es „ brennt “, helfen wir . Trotzdem trifft es nur zum Teil zu , denn zur klassischen Familie fehlt da noch jemand : Frauen . Auf neun Feuerwehrmänner kommt derzeit nur eine Kameradin .
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WINTERZEIT – ZEIT DES ÜBERLEBENSKAMPFES

Sie sollen das Überleben von tausenden Menschen sichern : weiße Schaumstoffmatten auf Holzpaletten . Es ist die einzige Abwehr gegen eine unsichtbare Gefahr , Maßnahme gegen sinkende Temperaturen und eisige Kälte . Der Winter kündigt sich an und bedroht das Leben vieler Flüchtlinge . Selbst in der besinnlichen Weihnachtszeit müssen sie um ihr Leben fürchten .
Neben Corona stellen tiefe Temperaturen eine große Herausforderung für Flüchtlinge im Jahr 2020 dar . Schätzungsweise 3,9 Millionen Menschen im Nahen Osten benötigen dringend Hilfe , um sich für den anstehenden Winter zu wappnen . An ihrer Seite steht der UNHCR , das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen . Die Arbeit der Organisation konzentriert sich dabei auf drei große Bereiche der Winterunterstützung :
• Soforthilfe , etwa in Form von Wärmedecken und Winterkleidung – dafür genügt bereits eine einmalige Spende in Höhe von vier Euro
• Bargeldhilfe für gefährdete Familien , um deren Bedarf zu decken
• Verbesserung der Unterkünfte für den Winter
• Verbesserung der Entwässerungssysteme und anderer Infrastruktur in Flüchtlingslagern und -siedlungen
Einfach da sein
Helferinnen und Helfer in Kriegsgebieten sind nicht alle gleich . Einige sind grauhaarig , andere mit faltenlosen Gesichtern . Obwohl , wenn ich darüber nachdenke , verwenden alle dieselben dramatischen Worte : „ Winter is coming . Der Tod kommt mit ihm .“ Mitglieder von NGOs wissen , warum Appelle aufrütteln müssen . Während ich das aufschreibe , sehe ich die dürren Kinderkörper am Stadtrand der jemenitischen Stadt Aden , wo ich vor zwei Jahren war , vor mir . Hoffentlich sind einige Samariter , egal wie sie reden , noch in dem Armenhaus der Arabischen Halbinsel , um sich um die Menschen zu kümmern . Denn alleingelassen werden Länder wie Jemen zum Spielplatz für „ Bestien mit Prinzipien “, wie der russische Reporter Isaac
Dr . Oliver Müller , Leiter Caritas international
Wir sind schon da
DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE
Es war kurz nach 18 Uhr , als eine mächtige Druckwelle am 4 . August Teile von Beirut in Schutt und Asche legte . 204 Tote , 6.500 Verletzte und 300.000 Menschen obdachlos , so die nackten Zahlen . Dahinter stehen Menschen , hilflos und verzweifelt . Wer kann helfen , wenn medizinische Einrichtungen der Stadt ebenfalls beschädigt und zerstört wurden , staatliche Notfalldienste völlig überlastet sind ? Während Hilfsorganisationen weltweit fieberhaft begannen , ihre Nothilfe zu planen , hat die Caritas Libanon unmittelbar nach der Detonation ihre Ärmel hochgekrempelt :
Babel die Herren der Kriege nannte . Andererseits : Es gibt auch Helfer ohne Drama . Wie der Diplomat , den ich vor einigen Jahren kontaktierte . Eine syrische Familie , vom IS bedroht , brauchte dringend ein Schengen-Visum . Der Beamte erledigte alles . Die Familie wurde gerettet . Er wollte aber keine Öffentlichkeit . Er war ein gesichtsloser , zuverlässiger Gutmensch . Anonym spenden ist ja bei vielen üblich . Anonym handeln ist sicher um einiges schwieriger . Man gibt gerne . Wenn andere davon erfahren , umso besser . So kann man Vorbild sein . Trotzdem , mir geht der Diplomat nicht aus dem Kopf . Wenn man ihn brauchte , war er erreichbar . Alles andere scheint mir – nach Jahren in Kriegsgebieten – zunehmend zweitrangig . Für jemanden da sein , reicht .
Verletzte in ihren Krankenstationen versorgt , Lebensmittel verteilt , Menschen psychologisch betreut . Ein entscheidender Vorteil unseres weltweiten Netzwerks : Wir sind schon da . Und wir bleiben es , auch wenn andere längst ihre Zelte abgebaut haben . Eine weitere Frage ist : Wie können wir auch in den anderen Notlagen helfen , in den vergessenen Krisengebieten wie dem Südsudan ? Unsere Partner stehen bereit . Schnelle und unparteiische Hilfe ist möglich . Doch es mangelt an Aufmerksamkeit und Geld , wenn es in den Medien zu keinen Schlagzeilen kommt . Viele Notlagen bleiben schlicht vergessen . Die Explosion in Beirut ist dem entgangen , die Bilder waren zu spektakulär . Denken wir auch an die stillen Katastrophen – auch in der Zeit der Pandemie . In Lagern leben weltweit fast 46 Millionen Binnenvertriebene . Die meisten davon in Entwicklungsländern . Dort wird man es uns danken . ›

SCHENKEN SIE SCHUTZ .

Informieren Sie sich jetzt : uno-fluechtlingshilfe . de / schutz
Hundertausende leben in Gefahr
Doch um das zu bewerkstelligen , fehlt es an Geld . Über 200 Millionen US-Dollar braucht das UN-Hilfswerk , um die Menschen in Not bei ihrem Überlebenskampf zu unterstützen . Andernfalls müssen allein in Jordanien über 20.000 Flüchtlinge zittern – nicht nur der Kälte wegen . Rasha Bartarseh vom UNHCR in dem Land berichtet : „ Ohne die Bargeldhilfe wird es ein harter Kampf , um die kalten Monate zu überleben .“ Besonders dramatisch sieht die Lage im Libanon aus . Das Land hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufgenommen . Zwar erreichen dort die Temperaturen nicht den Gefrierpunkt , das bedeutet aber nicht , dass die Gefahren schwinden . Herausforderungen in Form von gewaltigen Niederschlägen treten auf . Den über 170.000 syrischen Flüchtlingsfamilien fehlt die Unterstützung .
Peter Ruhenstroth-Bauer , Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe , appelliert an Spenderinnen und Spender : „ Gerade in der Winterzeit leiden Flüchtlinge unter den Wetterbedingungen . Selbst mit einer kleinen Spende kann jeder und jede das Leben eines geflüchteten Menschen sichern .“ Als deutscher Partner des UNHCR kämpft die UNO-Flüchtlingshilfe dafür , dass Flüchtlinge ein menschenwürdiges Leben , auch auf der Flucht , führen können . Mit einer kleinen Spende können die Helferinnen und Helfer vor Ort Großes bewirken . Der UNHCR ist unermüdlich in Krisenregionen im Einsatz , um Flüchtlinge zu unterstützen und ihr Überleben zu sichern . Helfen Sie mit und ermöglichen Sie Flüchtlingen eine Zeit der Besinnlichkeit – ohne Existenzängste .
Unterstützungsmöglichkeiten und weitere Informationen unter : uno-fluechtlingshilfe . de / weihnachten