+3 Magazin November 2020 - Page 20

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Achim Gruber , Professor für Tierpathologie , Freie Universität Berlin
Der Preis für unsere Liebe
Wir lieben Tiere , aber wir lieben sie auch krank und zu Tode . Nicht nur unsere Nutztiere , sondern auch unsere Kuscheltiere zahlen einen hohen Preis . Als Tierpathologe sehe ich das Drama täglich auf dem Seziertisch . In einer vereinsamenden Gesellschaft übernehmen sie immer öfter die Rolle eines Kindes- oder Sozialpartnerersatzes . Sie füllen die Menschenleere und erwärmen das Herz , besonders auch zu Corona- Zeiten . Das ist erst einmal gut so . Aber unsere Liebe zu ihnen macht uns auch blind . Auf dem Weg ihrer Vermenschlichung opfern uns Hunde , Katzen und andere Lieblinge ihre Natur , ihre Gesundheit und nicht selten ihr Leben . Wir züchten sie krank , lahm , taub , kurzatmig , allergisch , epileptisch , tumorös und stupide und finden das niedlich , hübsch oder extravagant . Manche können nicht ertragen , dass Tiere andere Tiere essen und füttern Hund oder Katz vegetarisch oder vegan . Und machen sie damit zum Affen . Wird das Tier so
zum Familienmitglied , verliert es seine Würde . Haben Tiere eine Würde ? Unsere eigene ist nach unserer Verfassung unantastbar . Warum sind wir dann skrupellos mit ihrer Würde , erst recht , wenn wir sie vermenschlichen ? Es ist paradox : Das Tier gehört doch erst dann wahrhaftig zur Familie , wenn wir es lieben , respektieren und halten , wie die Natur es geschaffen hat : um seiner selbst willen . Unsere gelebte Tierliebe aber ist meist egoistisch und blind . So würden wir nicht geliebt werden wollen .
Andreas Stoklosa , Leser
Beim ersten Blick
Da wir beide berufstätig sind und ich es als eine Qual ansehe , das Tier täglich über acht Stunden allein in der Wohnung zu lassen , stand eine Anschaffung für mich nie zur Debatte . Eines Abends , es war ein Sonntag , komme ich nach Hause und meine Partnerin stellt sich vor mich und grinst mich verstohlen an . Sie macht einen Schritt zur Seite und auf der Couch saß die kleine Aura . Seit ich ihr das erst Mal in die Augen geschaut habe , gehört sie zur Familie . Ich nehme sie noch heute jeden Tag mit zur Arbeit . Was soll ich noch sagen ? Heute ist die Frau weg , aber der Hund noch da .
GELIEBTE VIERBEINER Vom Lieblingstier bis zum Feelgood-Manager
Die Lieblingshunde der Deutschen
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Hunde im Büro ? Diese Branchen machen es möglich
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U n te r n e h m e n m i t Pro fi l a u f d e m A r b e i tg e b e r- B e w e r tu n g s p o r ta l k u n u n u
Roswitha Dannenberg , Pressereferentin Verein für Deutsche Schäferhunde
Echte Beziehung
Keine Frage : Wer sich zur Anschaffung eines Hundes entscheidet – hoffentlich nach vorheriger Information über die Bedürfnisse des auserwählten Vierbeiners – hat damit ein Familienmitglied hinzugewonnen . Und wie man es von Familienmitgliedern kennt , hat es Bedürfnisse und stellt Anforderungen , insbesondere an das Zeitbudget . Wer das nicht leisten kann oder möchte , sollte Tierfreund sein und sich für ein niedliches Plüschtier entscheiden . Für ein soziales Wesen wie den Hund ist es von existenzieller Wichtigkeit , Teil seines Menschen-Rudels zu sein . Die Auswahl des Hundes sollte nicht
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Medien
(1 5 , 7 % )
Automobil / Automobilzulieferer
(3 , 3 % )
Quellen : Tasso , Statista , kununu
allein nach der Optik getroffen werden . Das kann gründlich schiefgehen . Letztendlich wurde jede Hunderasse ursprünglich für einen Zweck oder eine Aufgabe gezüchtet . Diese sind nach wie vor mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden . Sich einen Jagdhund anzuschaffen und erstaunt über seinen Jagdinstinkt zu sein ? Keine gute Idee . Gerade Arbeitshunde wie der Deutsche Schäferhund müssen ihrer Veranlagung entsprechend beschäftigt werden . Dafür bedarf es keiner Schafherde , aber geistiger und körperlicher Forderung und Förderung . Mit diesem Allrounder unter den Hunden kann man fast jede ( Hunde- ) Sportart betreiben , je nach Talent des Hundes und den eigenen Vorlieben . Oberste Priorität : Spaß muss es machen und zwar dem Zwei- und Vierbeiner . Eine Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten und Wissenswertes über den Deutschen Schäferhund finden Sie hier : schaeferhunde . de
Roman Schley , Leser
Alle Tiere zählen
Wer einen veganen Lebensstil praktiziert , wird diese Frage sicherlich anders beantworten als jemand , dem egal ist , wie viel oder wenig das Geflügel im nächsten Supermarkt kostet . Wir würden ja auch nicht unsere Oma essen , nicht wahr ? Für mich ist es schwierig , hier eine faire Grenze zu setzen . Ich bin ein absoluter Tierfreund , engagiere mich und meine Hundedame gehört definitiv auch zu meiner Familie . Trotzdem esse ich Fleisch . Ich versuche zwar , kein Billigfleisch zu holen und darauf zu achten , dass die Tiere gut gehalten wurden , aber reicht das ? Schließlich wurde trotzdem für mich ein Leben beendet . Einfach so . Ich glaube , es wird Zeit , dass ich so langsam eine klare Position beziehe . Für mich selbst , vor allem aber für die Tiere . Die entscheidende Frage ist doch , kann ich mich mit jemandem über mein Heimtier unterhalten und mir gleichzeitig das nächste Schnitzel reinschieben ?
Deborah Rammrath , Leserin
Ich war früher so eng mit meinem Pony , dass ich es als Familienmitglied gesehen habe . Ich war mindestens drei- bis viermal am Tag mit meiner Susi zusammen . Es war einfach toll .