+3 Magazin Mai 2022 - Page 21

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FRISCHE EIER So viel Platz haben Legehennen in deutschen Ställen
0,08 m 2
Kleingruppenhaltung Bodenhaltung
4 m 2
Stallfläche pro Tier
0,11 m 2 0,11 m 2 0,17 m 2
Freilandhaltung Ökohaltung
zusätzliche Auslauffläche bei Freiland- sowie Ökohaltung
Auslauffläche pro Tier
Anteil der jeweiligen Haltungsform an der Legehennenhaltung insgesamt
19,5 % Freilandhaltung
11,9 % Ökohaltung 6,1 % Kleingruppenhaltung
62,5 % Bodenhaltung
Karen Hendrix , Fachärztin für Psychotherapie
Sorge um die Zukunft
Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich im größten Umbruch seit der Industrialisierung und belastet viele , gerade ältere Bauern und Landwirte . Das , was Jahrzehnte an staatlichen Ausbildungsstätten gelehrt wurde , was von Bauernverband und Politik erwartet und propagiert wurde , gilt nicht mehr . Allerdings gibt es auch keine neuen Vorgaben , nach denen sich die Bauern , die durchaus willens sind , sich anzupassen , richten könnten . In der Wahrnehmung vieler Landwirte geht es letztendlich auch durch die zunehmende „ Rücksiedelung “ der großen Beutegreifer sowie der immer strengeren und teils völlig absurden Anforderungen an Tierhaltung , Ackerbau und Dokumentationspflichten wohl darum , die Tierhaltung in
Deutschland abzuschaffen und die Landschaft gemäß den Wünschen und romantischen Vorstellungen der urbanen und oft ahnungslosen Wählerschaften umzugestalten . Diese generelle Unsicherheit belastet die in Generationen denkenden Bauern , lässt sie zweifeln , ob eine Hofübergabe an die Kinder der richtige Weg ist und ob der bereits seit Hunderten von Jahren im Familienbesitz befindliche Hof auch in Zukunft bestehen kann . Die Auswirkungen finden sich in den Statistiken der landwirtschaftlichen Versicherungen : Mittlerweile sind Zukunftsängste und Depressionen die zweithäufigste Ursache für Frühberentungen von Landwirten .
Anne Ziemke , Leserin
Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in den Köpfen , auf den Zungen und in den Portemonnaies der Konsumenten . Landwirte produzieren genau das , was die Menschen haben wollen . Wer billig kauft , bekommt auch billig und sollte sich hinterher nicht über die bescheidene Qualität beschweren .
Cornelie Veil , Leserin
Know-how nutzen
Die Landwirtschaft ist gezwungen , sich den Erfordernissen , die Klimakrise , Artenschutz und wachsende Weltbevölkerung mit sich bringen , zu stellen . Es ist eine naturnahe Landwirtschaft nötig , die die Erderwärmung besser stemmen kann und gleichzeitig den Artenschutz im Blick hat . Das heißt nicht , dass alles bio werden muss , es gibt auch in der konventionellen Landwirtschaft bedenkenswerte Ansätze . Da wir mit einer pflanzenbasierten Ernährung mehr Menschen satt bekommen können , sollte der Fokus darauf liegen , die Viehbestände zu
Quellen : Statistisches Bundesamt , BLE
reduzieren . So lassen sich auch klimaschädliche Emissionen der Tierhaltung drosseln . Die Agrarpolitik sollte Verhalten , das Klimakompatibilität und Artenschutz unterstützt und voranbringt , mit entsprechenden Förderungen und Belohnungen bedenken – und Subventionen , die bestehende Zustände zementieren , konsequent abbauen beziehungsweise schädliches Verhalten sanktionieren . Ein Weg könnte die Agri-Photovoltaik sein , die mindestens eine ressourceneffiziente Doppelnutzung der Agrarflächen zum Ziel hat . Erträge trotz Trockenheit durch Beschattung mit Modulen erzielen , bei gleichzeitiger Sammlung von Regenwasser , zur effektiven Bewässerung und Energiegewinnung , www . rentenbank . de
Luisa Köhler , Leserin
die unter anderem auch für Indoor- Pflanzungen genutzt werden könnte . Genug Know-how und Wissen ist vorhanden , jetzt braucht es eine konsequente Umsetzung .
Die Entfremdung der Menschen von ihrer natürlichen Umgebung nimmt eher zu als ab . Nicht umsonst ist der Einkauf auf dem Wochenmarkt inzwischen zum kulinarischen Höhepunkt geworden .
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Theresa Schmidt , Vorsitzende Bund der Deutschen Landjugend ( BDL )
Landwirtschaft ist Vielfalt
Die Landwirtschaft der Zukunft ist nicht schwarz oder weiß , bio oder konventionell – sie ist bunt und vielfältig . Der Weg in Richtung Zukunft braucht Schulterschluss statt Grabenkämpfe . Nicht nur in der Landwirtschaft . Wissenschaft und Fortschritt begleiten uns Junglandwirtinnen und Junglandwirte dabei , wenn wir dem Hunger auf der Welt an den Kragen gehen und damit Frieden produzieren . Denn der Hunger in der Welt muss auch und gerade auf den Feldern in Deutschland und Europa besiegt werden . Im Neben- und Miteinander von bio und konventionell wirtschaftenden , von kleinen oder großen Betrieben . Wichtiger als ihre Struktur ist ihre stabile Zahl und der unbedingte Wille unserer gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte , ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Lebens- und Futtermitteln sowie mit Energie zu leisten . Und zwar so , dass sie negative Effekte auf Umwelt und Artenvielfalt dabei zielgenauer als bisher adressieren können . Die Zukunft der Landwirtschaft beginnt jetzt : auf Augenhöhe mit denen , die essen , die Umwelt schützen und das Klima retten wollen . Denn das wollen wir Junglandwirtinnen und Junglandwirte im BDL auch : nachhaltig wirtschaften , von unserer Arbeit leben können und dazu beitragen , dass unsere Ressourcen für nachfolgende Generationen erhalten bleiben und wir jeden Morgen unser Frühstücksbrot genießen können .
DIE AGRARWIRTSCHAFT GESTALTET IHRE ZUKUNFT . WIR FINANZIEREN SIE .
Die Rentenbank fördert Unternehmergeist und Veränderungswillen in der Agrarwirtschaft . Dazu gehört auch die Unterstützung von Start-ups . Zukunftsweisende Projekte liegen uns dabei besonders am Herzen . Damit Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung Hand in Hand gehen .
Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum