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WIR FRAGEN :

WIE VIEL TIER BRAUCHT

DER MENSCH ?

Yoga mit Hund gibt es spätestens seit 2003 : Damals trat die US-Amerikanerin Jennifer Brilliant mit ihrem Buch , das heute als Standardwerk gilt , diesen Trend los .
Quelle : Wikipedia © iStock ./ chee gin tan
Steffen Augsberg , Professor für Öffentliches Recht , Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitglied Deutscher Ethikrat
Würdiges Dasein
„ Ein Leben ohne Mops ist möglich , aber sinnlos “, hat Loriot uns einst belehrt . Ein menschliches Leben ganz ohne Tiere ist in der Tat kaum vorstellbar . In nahezu allen Bereichen menschlicher Kultur finden sich Bezugnahmen auf die jahrtausendealte , teilweise sehr enge Koexistenz und Interdependenz von Mensch und Tier . Indes handelt es sich eindeutig um ein asymmetrisches ( Macht- ) Verhältnis : Dementsprechend hat sich der Mensch weniger den Tieren angepasst als diese nach seinem Willen geformt – durch Erziehung , Züchtung , gezielte genetische Eingriffe . Die Folge sind
zahlreiche Haus- und Nutztiere , die mit ihren ursprünglichen Vorfahren nur noch wenig gemein haben und für ein Leben in freier Wildbahn nicht geeignet sind . Diese Tiere existieren um der Menschen willen – dennoch oder gerade deshalb besteht ihnen gegenüber eine besondere menschliche Verantwortung . Das quantitative Element des „ Wie viel “ steht damit in direkter Verbindung zu einem qualitativen Kriterium : der tierethisch fundierten Forderung , den Eigenwert des tierlichen Lebens anzuerkennen . Tiere sind demnach prinzipiell in jeder Phase ihres Lebens so zu behandeln , dass ihr Wohlergehen gewährleistet ist . Abweichungen bedürfen valider Begründungen , bloße ökonomische Zweckmäßigkeiten genügen hierfür nicht . Aus dieser Einsicht ergibt sich zwangsläufig eine Antwort auf die Ausgangsfrage : Der Mensch braucht nur so viele Tiere , wie er tierwohlkonform halten kann .
Roswitha Dannenberg , Pressereferentin Verein für Deutsche Schäferhunde ( SV )
Treuer Gefährte ein Leben lang
Das Hunde im Zusammenleben eine wohltuende Wirkung auf uns Menschen haben , ist unumstritten . Daher ist es wohl kein Zufall , dass in Corona-Zeiten , die geprägt sind von der Minimierung sozialer Kontakte , die Nachfrage nach Hunden geradezu explodiert ist . Meine dringende Bitte an diejenigen , die aufgrund der jetzigen Situation mit der Anschaffung eines vierbeinigen Familienmitglieds liebäugeln : Prüfen Sie genau , ob Sie Ihrem Kumpel auf vier Pfoten auch nach Corona noch das bieten können ,
was er zum Glücklichsein braucht . Und schauen Sie nach seiner Herkunft . Fallen Sie nicht auf Angebote unseriöser Anbieter herein , für deren Vermehrer-Strategie die Tiere unendliches Leid ertragen müssen . Manchmal ist ein Hund weit mehr als ein Hobby . Das trifft auf Assistenzhunde zu wie Blindenführhunde , Diabetiker- und Epilepsie-Warnhunde oder PTBS-Assistenzhunde , um nur einige Beispiele zu nennen . Auf die speziellen Bedürfnisse eines Menschen ausgebildet , sind sie unverzichtbare Helfer bei der Bewältigung des Alltags . Sie geben Sicherheit und schaffen Unabhängigkeit . Was diese Tiere im Dienste ihres Menschen leisten , ist mit Worten kaum zu beschreiben . 24 Stunden am Tag , 365 Tage im Jahr . Sie verdienen höchsten Respekt und vielleicht einen Moment unserer Zeit , um gedanklich einmal Danke zu sagen . Es sind Eigenschaften wie diese , die Hunde für uns zu etwas ganz Besonderem machen .