+3 Magazin März 2021 - Page 16

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WIR FRAGEN :

WESHALB DIGITALISIEREN WIR

DAS GESUNDHEITSWESEN ?

Effizienz wird in der Ambulanz kleingeschrieben : Erdrückende 93 Prozent der niedergelassenen Ärzte kommunizieren noch hauptsächlich via Papier .
Quelle : Deutsches Ärzteblatt
© iStock ./ BenAkiba
Volker Nürnberg , Gutachter im gemeinsamen Bundesausschuss
Für die Patienten
Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte zu Jahresbeginn wird der Patient in den Mittelpunkt gestellt . Ähnliche Projekte wie die App auf Rezept gibt es bereits , der E-Impfpass und das E-Rezept werden folgen und lassen den Patienten an Entscheidungen über seine Behandlung partizipieren . Allerdings sind bestimmte Akteure wie niedergelassene Ärzte und Apotheken noch zurückhaltend . Bei ihnen dominiert oft noch das Faxgerät , die Datensicherheit digitaler Anwendungen wird kritisch gesehen . Deutschland ist hier im Vergleich mit anderen Industrieländern
ein Entwicklungsland . So belegen wir im Digital Health Index der Bertelsmann-Stiftung den vorletzten Platz . Und dort , wo ethische Aspekte hineinspielen , etwa bei Robotik , Blockchain oder der personalisierten Prognosen von Krankheitsverläufen über Big Data und Künstliche Intelligenz oder Gen ( om ) analysen , bestehen regulatorische Grenzen . Die interoperable Telematik-Infrastruktur soll alle Beteiligten vernetzen , Datenschutz und Datensicherheit haben hier oberste Priorität . Auch der Personalmangel im Gesundheitsbereich kann durch E- Triage und Telemedizin abgemildert werden , besonders in schlecht versorgten ländlichen Regionen . Skalierung , die Unabhängigkeit von Zeit und Raum und das synergetische Nutzen von Mensch und Maschine könnten ein Quantensprung für die Medizin bedeuten . Denn die großen Techkonzerne haben den europäischen Gesundheitsmarkt längst im Fokus .
Andrea Schindler , Leserin
Sehnsüchtig erwartet
Als betroffene Ärztin , die jeden Tag viel Zeit damit verbringt , in Warteschleifen von Hausärzten oder anderen Krankenhäusern zu hängen , um eventuell alte Arztbriefe , Vorbefunde oder Informationen zu Vergleichslaborwerten , Medikationslisten oder ähnlich wichtigen Informationen zu bekommen , muss ich sagen , dass ich mir sehr wünschen würde , dass wir die elektronische Patientenkarte schon hätten . Schließlich könnte der Patient selbst entscheiden , wenn besonders sensible Daten , wie zum Beispiel eine HIV-Erkrankung , nur an bestimmte , autorisierte Ärzte freigegeben
werden dürfen . Auch hat sich die Patientensicherheit durch die fortschreitende Digitalisierung erhöhen lassen . Wir benutzen hier an der Uniklinik ein elektronisches Medikationssystem , welches automatisch Wechselwirkungen , Dosierungsfehler und Laborwerte , etwa erhöhte Nierenwerte als Kontraindikation für manche Medikamente , mit der Medikation abgleicht . Das bedeutet einen enormen Zugewinn an Sicherheit .
Karl Weber , Leser
Lange Wunschliste
Mir fallen viele Gründe ein : Wartezeiten beim Arzt , Papierkram bei der Aufnahme , Medikationsfehler , die technisch verhindert werden können . Krankheiten , die noch besser erforscht werden müssen . Versorgungsengpässe auf dem Land und Fachkräftemangel .