+3 Magazin März 2021 - Page 12

12
+ 2
Katharina Reuter , Geschäftsführerin Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft ( BNW )
Boost für mehr Transparenz
ambitioniertes Lieferkettengesetz so dringend . Nicht mal zehn Prozent der Beschaffungsleiter in der Wirtschaft gaben 2019 in einer Deloitte- Umfrage an , volle Transparenz über ihre gesamte Lieferkette zu haben . 37 Prozent der CEOs betrachten daher Risiken aus der Lieferkette als eine der größten Bedrohungen für ihre
Reputation . Jüngste Beispiele von deutschen Unternehmen wie Tönnies , Volkswagen oder Wirecard zeigen , wie die gesellschaftlichen Kosten durch unethisches Wirtschaften in die Höhe getrieben werden . Hier besteht Handlungsbedarf . Wir haben doch Praxisbeispiele von verantwortungsvollen Unternehmen , die zei-
gen : Es funktioniert . Neben Nachhaltigkeitspionieren zählen dazu inzwischen auch große , namhafte Unternehmen . Gemeinsam fordern sie ein Level-Playing Field , also faire Marktbedingungen und gleiche Regeln für alle . Davon profitiert nicht nur die Wirtschaft , sondern auch Mensch , Klima und Natur .
Haben Sie sich auch schon gefragt , warum um alles in der Welt die unternehmerische Verantwortung am eigenen Werkstor enden sollte ? Ich habe mich das mitten im Gezerre um das Lieferkettengesetz oft gefragt . Wenn klassische Industrieverbände und Arbeitgeberorganisationen jammerten , die Betriebe wären überfordert , menschenrechtliche Sorgfaltspflichten entlang ihrer Lieferkette einzuhalten . Denn : Man wüsste doch ganz oft gar nicht , wer die Vorprodukte oder einzelne Komponenten herstellt . Aber genau das ist ja das Problem . Darum brauchen wir ein
MUSTERUNTERNEHMEN Was sich Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber wünschen
Betriebliche Altersvorsorge Überdurchschnittliche Gehälter
Jobticket
Vertrauensarbeitszeit
Smartphone , Tablet , Computer der neuesten Generation
Weiterbildung 73 %
Homeoffice Kinderbetreuung
Kostenlose Getränke
Dienstwagen
Umfrage unter 1.002 Erwerbstätigen , 2019 ; Mehrfachnennung möglich
19 %
34 %
49 % 49 % 48 %
54 %
59 %
61 %
73 %
Quelle : bitkom
Boris Kreb , Leser
Wer kauft , stimmt ab
Unternehmer haben für ihre Kunden eine Fürsorgepflicht . Über bekannte Gefahren und Risiken , die ein Produkt aufweist , muss der Verbraucher informiert werden , sodass er gegebenenfalls Alternativprodukte nachfragen kann . Im Idealfall reguliert der Markt sich selbst und Produkte mit Gesundheitsgefährdung werden wegen mangelnder Nachfrage vom Markt genommen .
Ihr Name , Leser
Was ist Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns , was Sie zu den kommenden Fragen auf der letzten Seite denken – vielleicht erscheinen Sie dann im nächsten Heft .
Christoph Kläs , Geschäftsführer iwhistle GmbH
Prävention statt Reaktion
Die EU verpflichtet Unternehmen , ab 50 Mitarbeitern sichere Kanäle für die Meldung von Rechtsverstößen einzurichten . Hinweisgeber sollen Sachverhalte melden können , ohne Repressalien fürchten zu müssen . Bis zum 17 . Dezember soll die
Ulf Sieberg , Leiter Public Affairs , CO 2 Abgabe e . V .
Anreize stellen die Weichen
Unternehmen haben Verantwortung für die Folgen ihrer Produktion und ihrer Produkte . Sie beeinflussen 77 Prozent aller in Deutschland verursachten CO 2 -Emissionen . Das schreiben die fünf „ Wirtschaftsweisen “. CO 2 -Preise sollen lenken . Produzenten haben so verstärkt Anreize , in klimafreundliche Technologien zu investieren . Das tun sie , wenn CO 2 -Preise bei ihnen ankommen . Einerseits als Teil der Betriebskosten . Denn wer klimaschädlich produziert und ebensolche Produkte herstellt , der zahlt . Auch dann , wenn Teile der Unternehmen CO 2 -Preise an Endkunden weitergeben . Weil klimaschädliche Produkte weniger konkurrenzfähig sind .
DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE
Vorschrift in nationales Recht umgesetzt sein – in Deutschland liegt der Entwurf des Hinweisgeberschutzgesetzes jetzt vor . Déjà-vu DSGVO oder Bekenntnis zu Moral , Ethik und Transparenz ? Hinweisgebersysteme dienen der Informationsgewinnung . Unternehmen setzen hierzu Fachabteilungen , etwa im Bereich Compliance , oder Ombudspersonen ein , um Mitarbeitern , Lieferanten und Kunden einen vertraulichen Kommunikationskanal zu bieten . Ein solches Hinweisgebersystem bietet einem Unternehmen die Chance , Sachverhalte aufzuklären , bevor diese an Ermittlungsbehörden oder die Presse kommuniziert werden . Unter Com-
Andererseits beeinflussen CO 2 -Preise die Investitionsplanung . Insbesondere , wenn sie planbar ansteigen . Ausnahmen für Unternehmen schaden der Wettbewerbsfähigkeit . Denn wer keine Anreize hat , seine Geschäftsmodelle auf Klimaschutz auszurichten , bewegt sich weniger und verliert alsbald den Anschluss . Abwanderung verhindert die Politik nicht durch Ausnahmen , sondern durch verursa-
Steven Strehl , Strategischer Geschäftsführer , Mein Grundeinkommen e . V .
Mit offenen Karten
Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft verbringen einen großen Teil ihrer Lebenszeit am Arbeitsplatz . Dort steigen die Kosten für psychischbedingte Krankschreibungen und die
pliance ist hier die Einhaltung von internen und externen Regelungen und Gesetzen zu verstehen . iwhistle ® hat mit seiner langjährigen Compliance-Erfahrung passgenaue , schlanke und kostengünstige Lösungen für die erfolgreiche Implementierung von Hinweisgebersystemen für Unternehmen jeder Größe sowie für Ombudspersonen entwickelt . Dank dieser Systeme wird das Fehlverhalten Einzelner zügig und vertraulich adressiert sowie kanalisiert . Das unternehmerische Werteverständnis im Sinne von rechtskonformem Verhalten und Transparenz kann hierdurch gesteigert werden – auch bei den eigenen Mitarbeitern . cher- und klimagerechte Preise sowie gezielte finanzielle Unterstützung zur Deckung hoher CO 2 -Vermeidungskosten . Ohne eine wirksamere CO 2 - Bepreisung und einen beschleunigten ökologischen Umbau der Industriegesellschaft wird sie auf Dauer in der Klimakrise nicht überlebensfähig sein . Die Bundestagswahl stellt die Weichen . Klimaschutz durch Produzenten ist wählbar .
damit verbundenen Produktionsausfälle von Jahr zu Jahr . Viele der fast 800 Menschen , die von uns ein monatliches Grundeinkommen ausgezahlt bekommen , berichten davon , dass sie weniger Stress in Bezug auf die Arbeit empfinden . Symptome chronischer Krankheiten nehmen deutlich ab . Und fast niemand hört auf , zu arbeiten . Im Gegenteil : Die finanzielle Sicherheit führt zu mehr Selbstwertgefühl , persönlichem Wachstum und Mut . Da es Grundeinkommen noch nicht für alle gibt , bedeutet unternehmerische Verantwortung , herauszufinden , welche Dynamiken zu Unsicherheit am Arbeitsplatz führen , und diese zu minimieren . Wir haben deshalb in den letzten sieben Jahren insgesamt 15 New-Work-Projekte gestartet . Unsere komplette Gehaltstransparenz ermöglicht zum Beispiel eine lösungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Gender Pay Gap . Außerdem ist die Höhe unserer Löhne nicht an Positionen gebunden . So gibt es keinen Anreiz , um Führungspositionen zu konkurrieren – allein die Passung entscheidet . Umgekehrt muss niemand finanzielle Einbußen befürchten , wenn er oder sie von einer Führungsposition zurücktritt . Zudem arbeiten wir mit verteilter Personalführung : jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter wird von Fachkollegen eingestellt und geführt – nicht von der Geschäftsführung .