+3 Magazin März 2018 - Page 4

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WIR FRAGEN :

WIE ALTERT MAN IN WÜRDE ?

... und was ist Ihre Meinung ?

www . plus-drei . de antwort @ plus-drei . de
70 Prozent aller 65- bis 85-Jährigen sind mit ihrem Leben zufrieden , 15 Prozent sogar sehr zufrieden .
Quelle : Generali Altersstudie 2017
© iStock ./ laflor
Integrierte Lebensräume
Frank Schulz-Nieswandt , Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung , Universität Köln
Altert man in Würde in einem Pflegeheim ? Ja , wenn sich Pflegeheime in ihrer Kultur des Wohnens weiterhin wandeln zu Orten der Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben . Auch in privater Häuslichkeit kann der alt werdende Mensch isoliert sein , vereinsamen und verwahrlosen , verzweifeln , an der Aufgabe , die Endlichkeit des Lebens anzunehmen , scheitern . In allen Wohnformen geht es um eine zentrale Frage : Schafft die dortige Umwelt , in die der Mensch gestellt ist , eine anregende , aktivierende Atmosphäre , die
Möglichkeiten bietet , dass der Mensch weiter in seiner Persönlichkeit wächst und sein Werden bis weit ins hohe Alter hinein nicht gehemmt wird . Er soll am Leben teilhaben und sein eigenes Selbst-Sein im sozialen Miteinander erleben können . Er muss allerdings auch zu dieser anregenden Umwelt hin offen sein . Das ist sein eigener Beitrag zum Gelingen des würdevollen Alterns . Aber die soziale Umwelt ist ebenso gefordert : Heime können so eine Kultur der Teilhabe in ihrem Innenraum als Erlebnisraum sein . Sie müssen aber auch geöffnet sein zur Außenwelt der Heimanlage , offen hin zum Quartier in der Stadt , zum Dorf hin , die Begegnung mit dem Leben im umgebenden Sozialraum möglich machen . Gelingt diese Beziehung zwischen Mensch und Umwelt nicht , bleibt der alte Mensch abgedrängt , ausgegrenzt und erleidet , bereits einen sozialen Tod , bevor er biologisch stirbt . Er ist bedeutungslos geworden . Aber es geht auch anders .
Walter Hömberg , Leser
Neue Möglichkeiten
Der Eintritt in den sogenannten Ruhestand ist ein großer Einschnitt . Die längste Phase im Leben war bestimmt vom Beruf – und diese ist jetzt offiziell abgeschlossen . Wenn man gesund ist und noch voller Energie , dann bedeutet die Verabschiedung in den Ruhestand nicht selten auch eine narzisstische Kränkung . Wie geht man damit um ? Hier lassen sich drei Typen beobachten : Der erste Typ ist der „ Weitermacher “. Ein Onkel von mir , ein bedeutender Archäologe , ging auch jenseits der 80 noch jeden Tag in „ sein “ Institut . Er hielt Vorträge und schrieb Aufsätze über sein Fachgebiet – als wenn
sich nichts geändert hätte . Der zweite Typ ist der „ Anknüpfer “. Er knüpft an seine Erkenntnisse und Erfahrungen an , freut sich aber , dass er jetzt all die Pflichtübungen auf dem Eis der beruflichen Routinen nicht mehr laufen muss , sondern sich ganz der Kür widmen kann . Der dritte Typ ist der „ Neubeginner “. Er beginnt vielleicht ein Liebhaberstudium in einem Orchideenfach . Oder er schultert den Rucksack und geht endlich auf die lange verschobene Weltreise . Ich versuche , Typ 2 und Typ 3 miteinander zu verbinden – anzuknüpfen an alte Erkenntnisse und Einsichten und sie zu ergänzen durch neue Erfahrungen und Exkursionen in unbekanntes Land . Die Lebensfreude ist dabei wichtiger als die Würde .
Monika Fischer , Leserin
Viele verstärken im Alter ihre Eigenheiten . Wollen wir ihnen die Würde lassen , müssen wir toleranter werden .
+1 4 WIR FRAGEN: WIE ALTERT MAN IN WÜRDE? ... und was ist Ihre Meinung? www.plus-drei.de antwort@plus-drei.de 70 Prozent aller 65- bis 85-Jährigen sind mit ihrem Leben zufrieden, 15 Prozent sogar sehr zufrieden. Quelle: Generali Altersstudie 2017 © iStock./laflor Frank Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der quali- tativen Sozialforschung, Universität Köln Integrierte Lebensräume Altert man in Würde in einem Pflege- heim? Ja, wenn sich Pflegeheime in ih- rer Kultur des Wohnens weiterhin wan- deln zu Orten der Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben. Auch in privater Häuslichkeit kann der alt werdende Mensch isoliert sein, verein- samen und verwahrlosen, verzweifeln, an der Aufgabe, die Endlichkeit des Lebens anzunehmen, scheitern. In al- len Wohnformen geht es um eine zent- rale Frage: Schafft die dortige Umwelt, in die der Mensch gestellt ist, eine an- regende, aktivierende Atmosphäre, die Möglichkeiten bietet, dass der Mensch weiter in seiner Persönlichkeit wächst und sein Werden bis weit ins hohe Al- ter hinein nicht gehemmt wird. Er soll am Leben teilhaben und sein eigenes Selbst-Sein im sozialen Miteinander erleben können. Er muss allerdings auch zu dieser anregenden Umwelt hin offen sein. Das ist sein eigener Beitrag zum Gelingen des würdevollen Alterns. Aber die soziale Umwelt ist ebenso ge- fordert: Heime können so eine Kultur der Teilhabe in ihrem Innenraum als Erlebnisraum sein. Sie müssen aber auch geöffnet sein zur Außenwelt der Heimanlage, offen hin zum Quartier in der Stadt, zum Dorf hin, die Begeg- nung mit dem Leben im umgebenden Sozialraum möglich machen. Gelingt diese Beziehung zwischen Mensch und Umwelt nicht, bleibt der alte Mensch abgedrängt, ausgegrenzt und erleidet, bereits einen sozialen Tod, bevor er biologisch stirbt. Er ist bedeutungslos geworden. Aber es geht auch anders. Walter Hömberg, Leser Neue Möglichkeiten Der Eintritt in den sogenannten Ru- hestand ist ein großer Einschnitt. Die längste Phase im Leben war bestimmt vom Beruf – und diese ist jetzt offiziell abgeschlossen. Wenn man gesund ist und noch voller Energie, dann bedeutet die Verabschiedung in den Ruhestand nicht selten auch eine narzisstische Kränkung. Wie geht man damit um? Hier lassen sich drei Typen beobach- ten: Der erste Typ ist der „Weiterma- cher“. Ein Onkel von mir, ein bedeu- tender Archäologe, ging auch jenseits der 80 noch jeden Tag in „sein“ Insti- tut. Er hielt Vorträge und schrieb Auf- sätze über sein Fachgebiet – als wenn sich nichts geändert hätte. Der zweite Typ ist der „Anknüpfer“. Er ۰[Z[H\[\H[\Z[[[]]XX\\\][YBX0[[]Y[HZ\\KBYX[][[XYZ]Y[]\ۙ\X[\Y BY[[\]H\\\8']KBY[\' \Y[Y[ZXZ[YXX\Y][H[Z[[HܘYKB[X \\[\[XX[Z[X]YYH[H\B[H[Z\KX\XK\ [\ Z]Z[[\H\[[8$˜[Z۰[[[H\[\H[Z[X[[YHH\[\]YH\Z[[[^\[ۙ[[[Z[\[ YHX[ٜ]YB\XZHXY\[YHK[ۚZH\\\\[Y[H\0[[H[\ZHZY[BZ][[\Z[YHB\[p[\\[\\[