+3 Magazin Juni 2021 - Page 12

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Nutzen kostet
Gerald Gaß , Vorstandsvorsitzender Deutsche Krankenhausgesellschaft ( DKG )
Dominik Pförringer , Leser
Smarter Copilot
Digitalisierung in der Medizin ist kein Selbstzweck , sondern ein Katalysator . Sie ist auch keine Option mehr , sondern eine Selbstverständlichkeit . In direkter Parallele zu einer Taxi-App ist die Digitalisierung der Medizin zu sehen . Ja , theoretisch geht es auch ohne , praktisch ist das jedoch eher unrealistisch gewor-
Wir versprechen uns von E-Health- Anwendungen , dass sie das Personal im Krankenhaus entlasten sowie die Patientenversorgung und die Effizienz der Prozesse verbessern . Hierzu müssen sie auf die Behandlungsprozesse abgestimmt werden . Die Beschaffung der Anwendungen , Mitarbeiterschulungen und vor allem die Integration in die Krankenhausprozesse erfordern hohe Investitionen in Personal und Technologie . Der Krankenhauszukunftsfonds unterstützt die Krankenhäuser , diese Investitionen zu tätigen . Erste Meldungen zeigen , dass der Investitionsbedarf der Krankenhäuser jedoch viel höher ist als die bereitgestellten Fördermittel . Auch wenn wir diese Förderung ausdrücklich begrüßen , ist es erforderlich , Digitalisierung und E- Health-Anwendungen nachhaltig zu finanzieren . Krankenhäuser , wie jetzt vorgesehen , zu sanktionieren , wenn sie digitale Dienste nicht erbringen
, geht vom vollkommen falschen Grundverständnis aus , dass die Krankenhäuser nicht wollen würden . Tatsächlich können sie nicht , da bislang die erforderlichen Investitionsmittel und in Teilen auch die Telematikinfrastruktur nicht verfügbar waren . Statt einem negativen Anreizsystem benötigen wir eine nachhaltige Finanzierung . Daher fordern wir auch einen dauerhaften Digitalisierungszuschlag von zwei Prozent . Nur so können die Krankenhäuser in E- Health-Anwendungen investieren , damit die Mitarbeiter entlastet werden und die Patienten von einer noch besseren Versorgung profitieren .
den . Die Digitalisierung erleichtert den Alltag für Patienten und Ärzte , sie optimiert das Matchmaking , beschleunigt und sichert Diagnose , Therapie und Nachsorge . Es geht nicht mehr ohne die Digitalisierung , die uns nach Kräften unterstützt , ohne dabei zu ermüden . Digital ist die Zukunft .
Irene Meyer , Leserin
Lerneffekt Pandemie
Die Digitalisierung ist auch für unser Gesundheitssystem notwendig und wurde zu lange stiefmütterlich behandelt . Die digitale Patientenakte sollte dabei helfen , Patienten schneller und besser zu behandeln . Auch neue Kommunikationswege wie die Videosprechstunde und der schnelle Datenaustausch über digitale Kanäle sind logische und vor allem nicht zu ignorierende Schritte in die Zukunft der Gesundheitsversorgung . So pervers der Gedanke auch ist , aber ich frage mich schon , inwieweit die Pandemie uns gezeigt hat , wie wichtig digitale Infrastrukturen sind . Können wir hier davon sprechen , das Gute im Schlechten zu sehen ? Ich hoffe zumindest , dass wir daraus lernen .
Klaus Lindinger , Leser
Nur kein Datenmüll
Meine „ digitale Kompetenz “ entsprang vor 35 Jahren in der elektronischen und betrieblichen Datenerfassung und Sensorik . Vor einigen Jahren landete ich im Feld der sogenannten Big- Data-Anbieter und mit diesem Erfahrungsschatz , einigen Medical-Kunden und meinem familiär bedingten Interesse am Gesundheitswesen kann ich hierzu nur sagen : So zäumt ihr das Pferd gezielt von hinten auf und werdet in kürzester Zeit mit dem Problem konfrontiert , das Unternehmenssoftware und stark digitalisierte Branchen wie die Automobilindustrie und die Telekommunikation heute haben . Sie stecken in ihrem eigenen Datengrab fest und schütten täglich mehr und mehr Datenmüll obendrauf . Wer Gesundheit mit der Digitalisierung fördern will , der sollte bei den Gesunden ansetzen , da sitzt der größte Hebel .
Peter Bobbert , Mitglied im Bundesvorstand , Marburger Bund
DIGITAL AUSBAUFÄHIG So sieht der Praxis-Alltag von Ärzten heute aus
( Eher ) Nein
38 %
Weiß nicht / Keine Angabe
3 %
16-29 Jahre
30-49 Jahre
50-64 Jahre
ab 65 Jahre
Würden Sie Apps auf Rezept nutzen ?
48 %
61 %
Ja
59 %
67 %
65 %
Ja
60 %
Würden Sie persönlich Gesundheits-Apps verschreiben ?
Nicht vom medizinischen Nutzen überzeugt
Datenschutzbedenken
Fehlende verbindliche Qualitätskriterien
Ethische Bedenken
Wenn nein , warum nicht ?
Sonstiges
U m f ra g e u n te r 1 . 193 Pe r so n e n a b 1 6 J a h re n , A p r i l- Ma i 2020U m f ra g e u n te r 1 24 H a u s ä r z te n , J u ni - Se p te m b e r 2020
Matthias Meierhofer , Vorstandsvorsitzender und Gründer Meierhofer AG
Zuverlässig durch jede Behandlung
Die Digitalisierung verbessert die Gesundheitsversorgung und kann mitunter auch Menschenleben retten . Wenn zum Beispiel im Krankenhaus die am
DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE
Patientenbett erhobenen Vital- und Medikationsdaten direkt in die elektronische Patientenakte des Krankenhausinformationssystems ( KIS ) übertragen werden , dann sorgt das zum einen für mehr Sicherheit bei der Dokumentation und verringert den Arbeitsaufwand des Personals erheblich . Zum anderen stehen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten alle relevanten Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort zentral , einheitlich und zuverlässig zur Verfügung . Anschließend wandern die erhobenen Daten über den Krankenhausaufenthalt in
5 %
7 %
17 %
17 %
Nein
40 %
28 %
Quelle : bitkom
den Entlassbrief , den das KIS automatisch im Hintergrund generiert , sodass dieser rechtzeitig bei Beendigung des stationären Aufenthalts zur Verfügung steht . Patientinnen und Patienten können sich also darauf verlassen , dass alle Daten sicher und zuverlässig dort sind , wo sie für den weiteren Behandlungsverlauf benötigt werden . Wir freuen uns , dass wir als KIS-Anbieter den reibungslosen Informationsfluss während der gesamten Patient Journey sicherstellen und dadurch unseren Beitrag für mehr Versorgungsqualität und Patientensicherheit leisten .
Fragt die Anwender
Das deutsche Gesundheitswesen ist robust und leistungsfähig . Aber es ist eines der am wenigsten digitalisierten Gesundheitssysteme Europas . Das am 29 . Oktober 2020 in Kraft getretene Krankenhauszukunftsgesetz ( KHZG ) bietet die Chance , den deutschen Krankenhäusern ein digitales Update zu verschaffen . Mit dem Zukunftsprogramm zur Modernisierung der Krankenhaus-IT werden den Krankenhäusern in den Jahren 2022 bis 2024 Fördermittel in Höhe von insgesamt 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt . Jetzt kommt es darauf an , dass die neuen Fördermittel zur digitalen Infrastruktur so eingesetzt werden , dass die Nutzer tatsächlich davon profitieren . Deshalb müssen Ärzte und Pflegende bei der Verteilung dieser Mittel ein gewichtiges Wort mitreden können . Der Marburger Bund hat in einer Handreichung für seine Mitglieder fünf prioritäre Felder der Digitalisierung ausgemacht , die jeweils Fördertatbeständen des KHZG entsprechen : Notaufnahme , Behandlungsdokumentation , Medikationsmanagement , Betten- und Ressourcenplanung sowie Telemedizin . In all diesen Bereichen brauchen wir digitale Innovationen – zur Entlastung des Personals und zur Verbesserung der Patientenversorgung . Der Erfolg neuer IT-Lösungen hängt wesentlich davon ab , ob die Anwender darin tatsächlich einen Fortschritt erkennen können . Insofern tun die Geschäftsführungen der Krankenhäuser gut daran , die Expertise und Anregungen ihrer Ärztinnen und Ärzte in den Modernisierungsprozess einzubinden .