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Väter , zeigt euch
Ginge es nach den jungen Eltern , wären wir schon viel weiter mit der Vereinbarkeit : Aktuell wünschen sich bereits 50 Prozent von ihnen eine paritätische Elternzeit . Es liegt also nicht an mangelndem Willen junger Paare , sondern an den politischen Rahmenbedingungen . Das beginnt bei steuerlichen Aspekten – Stichwort Ehegattensplitting – die eher zu einer „ klassischen “ Rollenaufteilung führen . Das wiederum trägt dazu bei , dass viele Unternehmen die Wünsche der Eltern gar nicht sehen und keinen Handlungsbedarf erkennen . Deshalb sind Väternetzwerke in Unternehmen so wichtig , um sich als
Franziska Divis , Leserin
Volker Baisch , Social Entrepreneur und Unternehmensberater
Regeln festlegen
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde in den letzten beiden Jahren gehörig auf die Probe gestellt . Sie haben uns gezeigt , dass es flexible Modelle geben kann , auch da , wo sonst niemand darüber nachgedacht hätte . Natürlich gibt es Grenzen der Flexibilität . Wer zur kritischen Infrastruktur gehört , kann seinen Job eher nicht von daheim erledigen , aber auch das lässt sich planen . Als Familie muss man sich gut absprechen und es sollten alle Familienmitglieder angehört werden . Auch die Kinder können kreative Lösungen einbringen , an die man vielleicht noch nicht gedacht hat . Vor allem bieten sie vielleicht etwas mehr Selbstständigkeit an , so-
Vater zu zeigen und das Thema zu artikulieren . Ein weiterer Punkt wäre eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung . Für die Phase nach der Geburt belegen viele Studien den Wunsch nach mehr Zeit mit dem Kind : Junge Eltern wollen die ersten 1,5 Jahre zu Hause sein – nur brauchen sie dafür auch entsprechende Lohnersatzleistungen . 65 Prozent vom Gehalt ist für viele Familien schlicht zu wenig . Auch die Deckelung des Elterngelds muss abgeschafft werden , weil sich viele Eltern sonst die Zeit mit dem Kind nicht leisten können . Welche Rolle Firmen bei diesem Transformationsprozess spielen können , unterstreichen diejenigen Unternehmen , die auf eigene Faust die Lohnersatzleistungen in den ersten Lebensmonaten des Kindes auf 100 Prozent hochgesetzt haben . Auslöser waren auch hier oft Väternetzwerke , von denen wir mehr brauchen , um die Unternehmenskultur zu modernisieren .
dass das eine oder andere Elterntaxi wegfallen kann und dadurch Zeit gespart wird . Auch Selbstdisziplin ist essenziell . Man sollte feste Zeiten ausmachen , wann das Notebook im Homeoffice geschlossen wird . Hier kann man sich gegenseitig daran erinnern und es könnten „ Strafen “ drohen wie den Abwasch machen oder den Tisch abräumen . Vielleicht noch einen Joker pro Monat erlauben , wenn ’ s dann doch mal länger dauert . Arbeitsseitig sollte man als Team die Regeln festlegen , wie viel Präsenztage möglich sind . Sollte der Chef im Alleingang entscheiden wollen , kann man als Team das offene Gespräch suchen , damit es eine Regelung gibt , mit der jeder umgehen kann . Denn eins steht fest : Die Worte „ hybrider Arbeitsplatz “ werden wir dieses Jahr häufiger hören .
Paarhaushalte mit Kindern bis zwölf Jahre nach Erwerbskonstellation
Anteile in Prozent
Beide Vollzeit
Beide Teilzeit
Beide nicht erwerbstätig

Redaktion

KLASSISCHES ROLLENBILD
Vereinbarkeit ist oft Muttersache
Frau Vollzeit Mann Teilzeit
Frau Vollzeit Mann nicht erwerbstätig
Frau Teilzeit Mann Vollzeit
Frau Teilzeit Mann nicht erwerbstätig
Frau nicht erwerbstätig Mann Vollzeit
Frau nicht erwerbstätig Mann Teilzeit
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
Basisdaten : Berechnung anhand einer Umfrage unter 5.506 Haushalten , 2018
Quelle : DIW Berlin
Ihr Name , Leserin
Was ist Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns , was Sie zu den kommenden Fragen auf der letzten Seite denken – vielleicht erscheinen Sie dann im nächsten Heft .
Ute Schaeberle , Leserin
Umwege erlaubt
Klar , familienfreundliche Ansätze in der Arbeitswelt braucht es . Aber für mich geht die Frage tiefer . Sie betrifft unser Mindset . Am Anfang der „ Rushhour des Lebens “ müssen wir uns mit der Fremdbestimmtheit arrangieren , die mit einem Kind Einzug hält . Da ist wenig Zeit zur Reflexion . Wir funktionieren mit dem Mindset , das wir haben . Es besteht grob aus Prägung , Glaubenssätzen und Selbstwertthemen . Ein großer Batzen , der viel Zeit zur Betrachtung bräuchte – die nicht da ist . Gut , dass wir Sprache haben und kommunizieren können , was ist : unsere Gefühle und die daraus resultierenden Bedürfnisse . Wir zeigen uns , wie wir wirklich sind . Andere können uns verstehen und auf uns reagieren . Dazu braucht es eine Gelegenheit zum Gefühlewahrnehmen . Das kann jeder Moment des Innehaltens sein . Dann müssen wir sie uns eingestehen . Das braucht Mut , denn sie können erschreckend sein . Sie laut zu sagen , auch wenn sie nicht den Erwartungen entsprechen sollten , braucht wieder Mut . Es bedeutet , über die eigene Angst hinauszugehen . Damit tun wir uns leichter , wenn wir nicht mit Repressalien rechnen , also angstfrei sein dürfen . Angstfreiheit entsteht im Umfeld . Dort , wo wir uns Gehör verschaffen . Wenn wir diese vier Punkte hinkriegen , ist ein Mindsetwandel und damit die Umfahrung des Rushhour-Staus möglich . Umwege erweitern die Ortskenntnis .
Oliver Stenzel , Leser
Schritt eins : Schriftlich Prioritäten verteilen auf die Bereiche Kinder , Partner , Familie , Freunde , Arbeit und Gesundheit . Schritt zwei : Wünsche und Sorgen mit dem Partner besprechen und schriftlich festhalten . Schritt drei : Aufgaben und Verantwortungen klar aufteilen . Schritt vier : Gemeinsam genießen und viel lachen .

DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE WIE GELINGT VEREINBARKEIT VON BERUF UND PRIVATLEBEN ?

Mehr Zeit für Familie , Freundschaften , zivilgesellschaftliches Engagement oder ein Hobby zu haben und einen erfüllenden Job – das kann funktionieren .
Freiraum und Verantwortung
Gleitzeitkonten und verschiedene Teilzeitmodelle ermöglichen die individuelle Verteilung der Arbeitszeit auf die Woche . 39 Stunden im Büro – das muss nicht mehr sein . Gut die Hälfte der Arbeitszeit kann im Homeoffice gearbeitet werden . Die tägliche Arbeitszeit kann variieren , unter Berücksichtigung der Kernarbeitszeit und in Abstimmung mit der Führungskraft . Mobile Arbeitszeit und Sonderurlaub schaffen weiteren Spielraum , die individuelle Lebenssituation zu gestalten .
Klingt gut ? Gibt es bei uns .
Wir unterstützen mit rund 750 Mitarbeitenden die Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung und fördern entwicklungspolitisches Engagement . Konkret bedeutet dies , dass wir Informationsveranstaltungen organisieren , zivilgesellschaftliche Organisationen ,
© Severin Caspari / Engagement Global
Kommunen und Schulen zu Austausch- und Förderprogrammen beraten sowie beispielsweise den Freiwilligendienst weltwärts koordinieren . Fördermittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( BMZ ) werden von uns verwaltet und weitergeleitet .
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