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Carsten Frederik Buchert , Direktor Marketing und Kommunikation , Felix Burda Stiftung
Das Präventions- Paradoxon
„ Der Deal Deines Lebens ist ein Darm-Check “, so unsere Werbekampagne zum Darmkrebsmonat März . Denn der zweithäufigste Krebs in Deutschland lässt sich tatsächlich verhindern . Seit 2002 sorgt die Vorsorge-Koloskopie für weniger Darmkrebs : Über 8,5 Millionen Versicherte haben diese gesetzliche Leistung bereits genutzt . Dadurch konnten rund 320.000 Neuerkrankungen und 153.000 Todesfälle verhindert werden . Ein wichtiger Teil der Bevölkerung wird bislang aber nicht erreicht . Die Informationen , die zum Einladungsverfahren zum Darmkrebsscreening verschickt werden , sprechen vorwiegend Menschen an , die eher gebildeter sind . Laut einer Studie der Universität Bielefeld verfügen 59 Prozent der Bevölkerung aber nur über eine geringe Gesundheitskompetenz . 40 Prozent haben Schwierigkeiten zu entscheiden , wie man sich vor Krankheiten schützen kann . Diese überwiegend sozioökonomisch schwächeren Gruppen und Menschen mit einer geringen Lese-
Sprach-Kompetenz werden somit in der Kommunikation diskriminiert . Gerade diese Gruppen dürften aber besonders von Prävention profitieren , da sie Vorsorge geringer in Anspruch nehmen und ihr Lebensstil eher ungesünder ist . Es ist paradox . Der Gemeinsame Bundesausschuss soll die Informationen zum Darmkrebsscreening daher überarbeiten : Leichte Sprache , Infografiken und eine motivierende , positive Tonalität werden noch mehr Menschen vom besten Angebot für die Gesundheit überzeugen .
Laura Schmalbrock , Assistenzärztin für Hämatologie und Internistische Onkologie , Charité Berlin
Mechanismen verstehen
Für uns Nachwuchswissenschaftler : innen ist es wichtig , Förderung auch von unabhängiger Stelle zu erhalten , um etwa zu selteneren Krebserkrankungen zu forschen . Daher habe ich mich gefreut , dass die Berliner Krebsgesellschaft meine Forschung förderte und mir letztes Jahr den Curt-Meyer-Gedächtnispreis für meine Arbeit zur akuten myeloischen Leukämie ( AML ) verlieh . Bei der
Frank Becker-Nickels , Leser
Carpe diem
Meine Frau brach nach zwei Jahrzehnten mit Multipler Sklerose zusammen und kam Anfang 2017 in ein nahes Pflegeheim . Zu der Zeit wurde bei mir ein Prostatakarzinom festgestellt . Über vierzig Bestrahlungen zwischen Ostern bis nach Pfingsten folgten . Ich arbeitete während dieser Zeit als freiberuflicher Stadtplaner weiter . Machte Ausflüge mit meiner Frau im Rollstuhl . Ich versuchte dabei , möglichst viele Schritte zu machen . Wir lebten weiter wie zuvor im Sinne des „ Carpe diem “. Nach den Bestrahlungen zeichnete ich mit
AML vermehren sich veränderte Blutzellen unkontrolliert und verdrängen die gesunden Zellen der Blutbildung . Bei einigen Patient : innen finden sich wiederkehrende Mutationen , gegen die man mit bestimmten Medikamenten vorgehen kann . Neben standardmäßigen Chemotherapeutika setzen wir so heute auch Medikamente ein , die die unkontrollierte Vermehrung der Leukämiezellen gezielt hemmen . Diese Therapie wirkt leider nicht bei allen Patient : innen , teilweise kehrt die AML nach ersten Erfolgen zurück . Warum das so ist , weiß man noch nicht genau . Meine
spitzer Feder : Beton wie Fels : Nackt . Gebirge , Betonhäuser , Akte . Und schrieb auch weiter Kalendergedichte und Bücher für die Familie , für mich und die Freunde . Schreiben , Zeichnen , Gehen . Bei den letzten Bestrahlungen ging es mir immer schlechter , aber ich fuhr nicht Taxi , sondern ging zu Fuß und fuhr mit der U-Bahn . Die Kontrolluntersuchungen der letzten fünf Jahre verliefen negativ . Meine Frau ist leider kürzlich an den Folgen ihrer Erkrankung verstorben . Trotz aller Widrigkeiten , die gemeinsam geschaffenen Erinnerungen bleiben und machen zufrieden , vielleicht sogar glücklich . In diesem Sinne gilt es weiterzumachen : Carpe diem !
Forschungsarbeit vergleicht Mutationsmuster in Leukämiezellen zum Zeitpunkt der Diagnose und des Rezidivs , um mögliche Ursachen für das Therapieversagen herauszufinden . Ich konnte Veränderungen im Mutationsmuster feststellen , die unter der Behandlung auftreten und die möglicherweise bei der Therapieresistenz eine Rolle spielen . Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen ist wichtig für die Entwicklung neuer Behandlungswege , um die Therapiemöglichkeiten für Patient : innen weiter zu verbessern und ihre Überlebenschancen zu erhöhen .
Moderne Diagnostik kann helfen , die Aggressivität eines Tumors einzuschätzen . Eine gute Nachricht für Brustkrebspatientinnen , denn damit wird auch das Urteil über die Notwendigkeit einer Chemotherapie auf eine verlässlichere Basis gestellt . Dr . Sabine Schmatloch , Chefärztin des Brustzentrums am Elisabeth-Krankenhaus Kassel , erklärt , bei welchen Patientinnen eine Deeskalationsstrategie sinnvoll ist .
Frau Dr . Schmatloch , weshalb wird die Entscheidung für eine Chemotherapie heute anders getroffen als früher ? Weil wir eine Diagnostik zur Verfügung haben , die individuelle Unterschiede erkennbar macht . Wir können inzwischen aus dem Genom des individuellen Tumors lesen , ob die Chemotherapie bei Brustkrebs zum Heilerfolg beiträgt oder nicht . Ohne dieses Wissen erhielten früher die Patientinnen oftmals eine Chemotherapie , obwohl sie nur einen geringen Nutzen davon hatten . In vielen Fällen reicht zum Beispiel eine antihormonelle Therapie aus .
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IST EINE CHEMOTHERAPIE IMMER NOTWENDIG ? Zur Deeskalation bei Brustkrebs

verlässlich einschätzen können , können wir auch sagen , ob wir die Chemotherapie guten Gewissens weglassen können . Seit 2020 wird in Deutschland der Oncotype DX Breast Recurrence Score ® Test erstattet . Mit ihm können wir nun dieses individuelle Rückfallrisiko mit hoher Sicherheit bestimmen . Zusätzlich können wir mit diesem Test genauer vorhersagen , wann eine Patientin von einer Chemotherapie profitiert .
Können alle Brustkrebspatientinnen von dieser Diagnostik profitieren ? Sehr viele . Wir wissen , dass 85 Prozent der Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven und HER2- neu negativen Mammakarzinom nicht von einer Chemotherapie profitieren . Das trifft in Deutschland jährlich deutlich mehr als 15.000 Patientinnen . Viele Patientinnen sagen mir , dass sie die Ungewissheit über den Verlauf der Erkrankung und den Nutzen der therapeutischen Maßnahmen am meisten quält . Der Oncotype DX Breast Recurrence Score ® Test macht die Therapieentscheidung sehr viel sicherer . Deswegen sollten auch die Patientinnen die modernen diagnostischen Möglichkeiten kennen und sie gegebenenfalls mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen .
Wie müssen wir diese neue Diagnostik verstehen ? Der Tumor jeder einzelnen Patientin reagiert anders auf die Chemotherapie , manche gar nicht . Das wussten wir schon seit längerem . Erst seitdem wir das Risiko eines Tumorrezidivs
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