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Lea Schulz , Studienleiterin Digitale Medien und Inklusion , Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Digital und inklusiv
Bei der Debatte um digitale Bildung in der Schule werden häufig der Aspekt der Bildungsbenachteiligung sowie die Chancen einer digitalen Bildung für die Umsetzung der Inklusion außer Acht gelassen . Diklusion – ein Neologismus aus „ digitale Medien “ und „ Inklusion “ – stellt einen innovativen Impuls für die schulische Praxis zur strukturellen Verbindung der digitalen Bildung mit dem Ziel einer Bildung für alle dar . Ausgehend vom weiten Inklusionsbegriff kann jede Schülerin und jeder Schüler von einem guten digital-inklusiven Unterricht profitieren . Hierfür muss Diklusion als nachhaltiger Wert in der Schulkultur verankert werden . Bisher werden diese beiden Aspekte nur selten gemeinsam gedacht . Digitale Medien können bei guter didaktischer Planung und geschultem Personal zur Individualisierung , zur Unterstützung der Lehrkraft für einen adaptiven Unterricht , zur Verbesserung der Kooperation und Kollaboration sowie zur Chancengerechtigkeit etwa durch assistive Medien beitragen . Somit stellt sich vielmehr
die Frage , wie wir digital und analog so miteinander in Einklang bringen , dass alle Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Lernprozess unterstützt werden und an Bildung teilhaben können . Digitale Bildung leistet zudem einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Partizipation aller und sollte ein selbstverständlicher Bestandteil schulischer Bildung sein , um die soziale Schere in diesem Bereich zu reduzieren .
Thomas-Gabriel Rüdiger , Leiter Institut für Cyberkriminologie , Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg
Medienkompetenz kann man lernen
Sarah Hofmann , Leserin
Schauen , was geht
Natürlich ist das eine sehr individuelle Sache . Je nach Alter und Lerntyp muss jeder selbst herausfinden , wie er mit digitalem Lernen umgeht . Nach mehreren Monaten Unterricht via Zoom kann ich sagen , dass digitales Lernen nicht mit traditionellem Lernen zu vergleichen ist . Viele Methoden sind in einer Online-Konferenz unmöglich oder nur schwer umsetzbar . Es können nur schwer Tests geschrieben werden , da die Lehrkraft keine Möglichkeit hat , auf Spicken zu kontrollieren . Andere Teile des Unterrichts , wie Vorträge mit Powerpoint-Präsentationen , sind genau so einfach , wenn nicht sogar einfacher . Außerdem schafft das Online-Lernen
Manche Eltern vertrauen darauf , dass Kinder im Netz auch ohne Kontrolle schon das Richtige tun . Die Essenz davon ist , dass viele Erwachsene offenbar mit der Mediennutzung von Kindern so überfordert sind , dass sie einfach hoffen , es wird schon nichts passieren – dass Kinder also nicht mit problematischen Inhalten und Nutzern konfrontiert werden und nichts „ Verbotenes “ machen . Nach den KIM-Studien haben bereits 33 Prozent der Acht- bis Neunjährigen ein Smartphone – in der zweiten Klasse . Das solche Konstellationen
nicht gut gehen können , ist offensichtlich . So steigen in den letzten Jahren die digitalen Risiken für Kinder an , während gleichzeitig bei digitalen Sexualdelikten mittlerweile fast jeder zweite Tatverdächtige selbst minderjährig ist . Die Pandemie wird diese Situation noch weiter verschärft haben . Zurückzuführen ist dies offenbar auch auf mangelnde Vermittlung von Medienkompetenz – nicht nur darin , wie man das Netz nutzt , sondern auch , was man nicht machen darf . Woher
viele Möglichkeiten für Weiterbildung und Weiterentwicklung , sowohl aufseiten der Schulen und Lehrer als auch auf der der Schüler . Meiner Meinung nach muss jede Schule einen Weg finden , der für ihre Schüler funktioniert . Lehrkräfte sollten im Unterricht den Schülern die Möglichkeit geben , individuell Fragen zu stellen . Vielen fällt das Lernen von zu Hause aus schwer , sei es , weil sie den direkten Bezug zum Lehrer brauchen oder weil das geeignete Umfeld fehlt . Lehrkräfte sollten deshalb bereit sein , ihren Schülern unter die Arme zu greifen . Online-Unterricht wird höchstwahrscheinlich keine Dauerlösung , zumindest nicht nach aktuellem Stand der Technik an deutschen Schulen . Aber die Pandemie hat uns auf den richtigen Weg zu digitalem Fortschritt gebracht .
sollen Kinder das auch wissen , wenn sie schon so früh ein Smartphone bekommen und nicht darauf vorbereitet werden . Es gibt nur eine Institution , über die alle Kinder erreicht werden könnten : die Schule . Leider gibt es in Deutschland noch immer keine verpflichtende Vermittlung von Medienkompetenz ab der ersten Klasse an jeder Schule . Eine solche Umsetzung erfordert Willen , Zeit und Geduld , die digitale Lebenswirklichkeit lässt es aber unumgänglich erscheinen .
DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT , ALSO EINE ANZEIGE

„ DIGITALE BILDUNG BRAUCHT ZUKUNFTSFESTE INFRASTRUKTUREN UND NEUE LEHRANSÄTZE “

Homeschooling , geschlossene Schulen , Ausnahmesituation für Schülerinnen und Schüler , Eltern und Lehrkräfte – die anhaltende Corona-Pandemie hat das nationale Bildungssystem vor große Herausforderungen gestellt . Was bedeutet das Jahr für die digitale Bildungsoffensive ?
Dass es viele kreative und auch individuelle Lösungen gab , um Lehren und Lernen mit digitalen Mitteln zu gestalten . Und dass es noch immer großen Nachholbedarf beim Ausbau der technischen Schulinfrastrukturen gibt – was nicht erst seit der
Pandemie klar ist . Ich bin überzeugt , dass wir das vergangene Jahr als Chance verstehen sollten . Jeder am Bildungssystem beteiligte Akteur hat konkretere und greifbarere Vorstellungen darüber gewonnen , was digitales Lernen bedeutet und
Widar Wendt , digitaler Bildungsexperte und Leiter der atene KOM Akademie
dass es voraussetzungsreich ist . Jetzt gilt es , die gesammelten Erfahrungen sinnvoll in flächendeckende , nachhaltige Konzepte einfließen zu lassen .
Die Fördermittel stehen ja bereit , wo hakt es ?
Mit dem DigitalPakt Schule ist ein Unterstützungsweg gezeichnet . Vor Ort scheitert es aber durchaus noch an der Erstellung der für den Antrag vorgeschriebenen Medienkonzepte . Wir benötigen klare Vorgaben für die Grundausstattung der Schulen , um auf diesem Fundament im breiten Dialog aller am Schulwesen Beteiligter die neuen Lehr- und Lernansätze fortzuentwickeln . Was benötige ich für den Aufbau und die Wartung meiner digitalen Infrastruktur ? Welche technische Ausstattung brauche ich im schulischen Alltag ?
Welche Anwendungen sind für eine schulische Umgebung geeignet ? Genau hier haben wir mit unserem Kompetenzzentrum Digitale Bildung angesetzt und gemeinsam mit Partnern aus der Branche das Gütesiegel „ Breitband Schulen “ erarbeitet , das Mindestanforderungen an die schulische IT-Grundstruktur bescheinigt .
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Faktoren für eine gute digitale Lernumgebung ?
Der Betrieb und die Wartung jeglicher Technik und Ausstattung müssen so stabil funktionieren wie früher Stift und Papier . Hierfür braucht es Schul- und Unternehmensnetzwerke , die in enger Kooperation die Zuständigkeit übernehmen . Die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonal muss gewährleistet sein . Die Schule der Zukunft muss sich schnell an digitale Transformationen anpassen können , sie muss also flexibel sein . Die Freiheit über die Gestaltung von Unterricht und Lehrinhalten sollte aber weiterhin unter die Hoheit der Schulen und des pädagogischen Personals fallen .